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Hinweis
10.2017




Zürich : Hans Witschi


von: Aoife Rosenmeyer

  
links: Hans Witschi · Schlafender Maler, 2016
rechts: Hans Witschi · Ohne Titel / Studie Potus (5), 2017


Hans Witschi (*1954, Luzern) malt gern Maler. In zwei aktuellen Ausstellungen in Zürich erlebt man ganz unterschiedliche Facetten dieses Motivs. In Last Tango stossen wir auf ‹Ein Maler und sein Bild›, 1985, eine dunkle, abgeschlossene Szene, in der sich der Maler als kurzbeiniger, bauchiger Hund darstellt, der sich von dem Akt auf seiner Staffelei entfernt. Der Rüde mit menschlichen Gesichtszügen wirkt abartig, sein Grinsen unterstreicht seine Gleichgültigkeit, doch gleichzeitig auch seine Freiheit, während die Frau auf der Leinwand gefangen ist. Seit 1989 wohnt Witschi in New York. Man könnte sagen, dass seine Arbeit seit diesem Umzug leichter und freier geworden ist. In der Galerie & Edition Stephan Witschi (es besteht keine Verwandtschaft) ist die jüngere Arbeit ‹Schlafender Maler›, 2016, ausgestellt; hier schläft der Maler, in sich zusammengefallen wie ein Clown. Obwohl die Gestalt aus verworrenen Pinselstrichen in einem dynamisch leuchtenden, abstrakten Hintergrund zu verschwinden droht, streckt sie uns eine Hand entgegen. Diese greift den allmächtigen Pinsel, der Fokus des Bildes.
Witschis Arbeiten sind selten in der Schweiz zu sehen, umso beachtenswerter sind die beiden Ausstellungen, die uns die Gelegenheit einer Begegnung bieten. In Öl ausgeführt, scheint die Malerei mühelos; der fliessende Charakter der verdünnten Farbe spiegelt die Dehnbarkeit seiner Ideen. Die in Last Tango präsentierten zehn Arbeiten lassen uns seine Karriere von 1984 bis heute überfliegen. Das Werk ‹Entwurf Mensch, 54 Studien in Dreiergruppen› wäre hier eine eigene Ausstellung wert. Das Mosaik von Gesichtern in Grautönen - inspiriert von Francisco de Goya, Francis Bacon und Alten Meistern - changiert zwischen Fröhlichkeit und Fratze. Die Schau bei Stephan Witschi bietet mit Serien wie ‹Eidolon› oder den gelben ‹flash›-Impressionen Einblick in sein neueres Schaffen. Immer lässt Witschi in seinen sich widerholenden Motiven menschliche Abgründe aufscheinen, um dann erneut auf sicherere Distanz zu hüpfen. Der meist präsente Humor ist dabei stets mit einer Prise Ernsthaftigkeit gekoppelt - so wenn er bspw. in ‹Potus› die Haare des Chefkommandanten zu Berge stehen lässt.

Bis: 23.09.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Hans Witschi [23.08.17-07.10.17]
Institutionen Stephan Witschi [Zürich/Schweiz]
Institutionen Last Tango [Zürich/Schweiz]
Autor/in Aoife Rosenmeyer
Künstler/in Hans Witschi
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