Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
10.2017




Zürich : Caetano de Almeida


von: Alice Henkes

  
links: Caetano de Almeida · CAP-007, 2017, Acryl auf Papier, 51x36 cm. Foto: Edouard Fraipont
rechts: Caetano de Almeida · Festa do Divino V, 2017, Aquarell auf Papier, 41x31 cm. Foto: Edouard Fraipont


Caetano de Almeida (*1964, São Paulo) interessiert sich für Kleider und Stoffe und ihre Muster. Für farbenfrohe Dessins, aber auch für die weniger ins Auge springenden Webmuster, die einem Stoff Struktur verleihen. Ihre Regelmässigkeit, ihre Berechenbarkeit faszinieren ihn. Und so begegnen sich im Werk des brasilianischen Künstlers zwei Welten, die für gewöhnlich weit auseinanderzuliegen scheinen: die der Schönheit und der Moden und die der Mathematik.
Caetano de Almeida zählt zu den international bekanntesten brasilianischen Gegenwartskünstlern. Bereits als Kind begeistern ihn die bunten Trachten seiner Heimat ebenso wie mathematische Probleme und intelligente Rätsel und Paradoxien. Eines seiner Lieblingsbücher ist Edwin A. Abbotts Novelle ‹Flatland› aus dem Jahr 1884, die mathematischer Essay wie auch Satire auf die viktorianische Gesellschaft ist. Während des Studiums beschäftigten de Almeida die Konstruktivisten mit ihrer auf logischen Prinzipien fundierenden Malweise, und er reiste für Atelieraufenthalte nach Paris und Indien. In Indien lernte er eine Gesellschaft kennen, in der modische Codes nach wie vor dazu dienen, den Träger, die Trägerin eines Kleidungsstücks als einer bestimmten gesellschaftlichen Kaste zugehörig auszuweisen.
In seinen grossformatigen Bildern verbinden sich de Almeidas ästhetische, mathematische und gesellschaftskritische Überlegungen zu verblüffend komplexen und präzise ausgearbeiteten Mustern, die er mit grosser Könnerschaft gestaltet: de Almeida arbeitet freihändig. Lediglich Bleistiftzeichnungen gehen den gemalten Mustern voraus.
Es sind vor allem strukturelle Muster, die de ­Almeida auf der Leinwand wiedergibt, eingewebte oder geflochtene Muster wie zum Beispiel die vielschichtigen Strukturen von Rohrgeflechten, wie man sie von Kaffeehausstühlen kennt, oder monochrome Jacquardmuster. Und oft baut der Künstler bewusst Störungen ein. In einer seiner jüngsten Serien malt de Almeida Rohrgeflechte in einem grellen Fuchsienrot. Zudem sind auf den eher kleinformatigen Acrylbildern Stellen zu sehen, an denen das Geflecht löcherig und zerrissen scheint. Bei diesen Rissen und Kahlstellen geht es nicht nur um die bizarre Form als spannenden Kontrast zur regelmässigen Struktur. Sie können auch in einem weiterführenden Sinn gelesen werden: als Störung einer gesellschaftlichen Ordnung.

Bis: 28.10.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Caetano de Almeida [25.08.17-28.10.17]
Institutionen Andres Thalmann [Zürich/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Caetano de Almeida
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170924215555AA8-52
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.