Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
10.2017




Zürich : Clare Goodwin


von: Dominique von Burg

  
links: Clare Goodwin · Whispering Widows (Richard + Eleanore), 2017, Acryl/Acryltinte auf Leinwand. 190x140 cm
rechts: Clare Goodwin · Silent Witness #3, 2017, Teil eines gefundenen Stuhls, sandgestrahlt, 18x36x16 cm


ie neuen pastellfarbenen Gemälde und Collagen von Clare Goodwin (*1973, Birmingham) fügen sich dem blendend weiss gestrichenen Galerieraum chamäleonartig ein. Sie sind auf Streifen, geometrische Formen, Linien und Muster reduziert und nehmen noch Elemente ihrer alten Serie ‹Curtain Paintings› auf. Mit ihren freien geometrischen Abstraktionen referieren sie auf suprematistische Kompositionen, deren stringentes Farbkonzept Goodwin jedoch mit einer süsslichen Farbigkeit bricht. So evozieren das ausgewaschene Lila oder das lachsfarbene Rosa die Farbpalette von Tapeten englischer Landhäuser oder von Kleidern älterer Damen. Da und dort gebieten schwarze oder dunkelbraune Formen dem luftigen Treiben Einhalt. Alle Malereien sind mit ‹Whispering Widows› plus einem oder meist je zwei englischen Vornamen betitelt, sodass hinter der geometrischen Abstraktion eine konkrete oder erfundene Figur oder das Verhältnis zweier Personen hineinzuspielen scheint. Zwischen ihnen mag ein Bezug bestehen und sich ein Dialog entspannen, worauf neben dem Titel die vielfach erkennbare obere und untere Ebene der Gemälde hinweist. Trotz formalen Anklängen an die Sprache der Zürcher Konkreten ist Goodwin von deren mathematischem und logischem Konzept weit entfernt. Zuweilen funken nämlich räumlich wirkende Formen dazwischen. Zudem wird das abstrahierende Bildgeschehen durch die bereits erwähnte narrative Titelsetzung und die eigenwillige Farbenpalette emotional und atmosphärisch aufgeladen.
Scheinbar zufällig sind an verschiedenen Orten im Galerieraum Stuhlteile aus sandgestrahltem Holz positioniert. Die als ‹Silent Witness› bezeichneten Objekte referieren auf geometrische Elemente in ihrer Malerei, erinnern aber auch an Knochen oder an ‹Tokyo!›, einen aus drei Episoden bestehenden, surrealen Film von 2008, eine vielfach gebrochene Hommage an Tokyo. In ‹Interior Design› unter der Regie von Michel Gondry wird das Schicksal eines erfolglosen jungen Paares erzählt, das sich auf der Suche nach einer Zukunft nach Tokyo aufmacht. Zunächst wohnen die beiden in sehr engen Verhältnissen. Während ehrgeizige Pläne den jungen Mann antreiben, fühlt sich die Frau zunehmend einsam und verloren. Ihre depressive Verstimmung manifestiert sich in ihrer sukzessiven Transformation in einen Stuhl, auf dem es sich zu guter Letzt ihr Partner bequem macht, während sie zu der Rolle einer stummen Zeugin verdammt ist. Zu hoffen bleibt nur, dass die Stuhlteile von Goodwin nicht Resultat einer magischen Verwandlung sind.

Bis: 07.10.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Clare Goodwin [25.08.17-07.10.17]
Institutionen Lullin + Ferrari [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Clare Goodwin
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170924215555AA8-53
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.