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Besprechung
11.2017


Alice Henkes :  Der öffentliche Raum verändert sich. Und damit auch die Wahrnehmung von Kunst im öffentlichen Raum und Kunst-und-Bau-Projekten. Eine dreiteilige Serie geht aktuellen Fragen nach, die mit Kunst in öffentlichen oder halböffentlichen Räumen verknüpft sind. Teil 1: Kunst und Bau im Ausstellungsraum.


Bern : Kunst und Bau - Räume beleben


  
Walter Linck · Brunnen für das Schulhaus Bethlehemacker in Bern, 1954, zeitgenössische Aufnahme


Generationen von Kindern, die im Schulhaus Bethlehemacker in Bern unterrichtet wurden, haben den 1954 von Walter Linck gestalteten Brunnen geliebt. Die Lehrer haben ihn kritisch gesehen, kamen die Kinder doch oft nass in den Unterricht. Brunnen sind beliebte Projekte für Kunst im öffentlichen Raum, verweisen sie doch auf den Dorfbrunnen als Ort der Begegnung. Für die Schulkinder am Bethlehemacker war der Brunnen Treffpunkt und Teil ihres schulischen ­Lebens. Jetzt ist das Bassin mit den beweglichen Rädern in der Stadtgalerie Bern zu sehen, ergänzt durch Konzepte und Materialien zu aktuellen Kunst-und-Bau-Wett­bewerben.
Eingerichtet von Ronny Hardliz, möchte die Ausstellung den Diskurs zu Kunst-und-Bau-Projekten anregen. Wird über Kunst im Aussenraum gesprochen, so stehen meist spektakuläre Werke im Zentrum. Kunst-und-Bau-Projekte, die meist in einem semi-öffentlichen oder institutionellen Rahmen angesiedelt sind (Schulhäuser, Spitäler, Behörden), beschäftigen vor allem jene, die an den betreffenden Orten arbeiten oder leben. Die enge Verbindung mit einem architektonischen Raum und, damit zusammenhängend, einer sozialen Gruppe, die immer wieder mit dem Kunstwerk in Kontakt kommt, muss vom planenden Kunstschaffenden mitgedacht werden.
Wie das aussieht, wenn Künstlerinnen und Künstler sich bewusst auf eine spezifische Gruppe von Menschen einlassen, das zeigen die in der Ausstellung präsentierten Projekte zu aktuellen Wettbewerben zum Beispiel für den Ersatzneubau der Volksschule Kleefeld in Bern. Christl Mudrak hat für ihr Projekt ‹Space› einen bühnenartigen Raum konzipiert, der durch wechselnde installative Malerei im Innern zum Testraum für «Bildraum-Raum-Wahrnehmungserfahrungen» werden soll. David Mollin und Salomé Voegelin ersinnen für ‹Kleefeld - Klangfeld› einen Raum für besondere Hörwahrnehmungen. Das Duo Com&Com (Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger) will die Schulkinder dazu anstiften, im schulnahen Wald selbst ein Schulzimmer nach eigenen Ideen einzurichten. Gerade in der reduzierten Darstellungsform der Konzepte wird das, bei allen Unterschieden, verbindende Element deutlich. In allen Entwürfen steht die Wahrnehmung der späteren Nutzerinnen und Nutzer im Vordergrund, die Möglichkeit, sie an neue Erfahrungen heranzuführen. Auf seine still verspielte Weise hat dies bereits der Brunnen von Walter Linck getan.

Bis: 09.12.2017



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Basis Kunst und Bau [09.11.17-09.12.17]
Institutionen Stadtgalerie im PROGR [Bern/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
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