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Besprechung
11.2017


Alice Henkes :  Elsbeth Böniger und Christian Indermühle haben sich fest in die Gegenwartskunst eingeschrieben. Böniger, indem sie auf radikale Weise Farbe selbst zum Thema macht, Indermühle mit Architekur- und Landschaftsfotografien. Gemeinsam haben sie nun eine Serie betörender Stillleben geschaffen


Bern : Elsbeth Böniger und Christian Indermühle - Delta


  
Elsbeth Böniger und Christian Indermühle · Delta 18, 2017, Fotografie, 147x180 cm


Das Wesen der wahren, der überwältigenden Schönheit ist ihre Ungreifbarkeit. Das weiche goldene Leuchten, das an einem lichten Herbsttag durch das Blätterdach einer Allee rieselt, die glänzende Frische einer morgendlichen Wiese, das sanfte Schimmern auf der Haut eines geliebten Menschen - es gibt immer wieder Momente, in denen ein visuelles Ereignis inneres Entzücken hervorruft - und mit diesem Entzücken das Wissen um seine eigene Vergänglichkeit. Denn die Sensation des Schönen entzieht sich unserem Zugriff. Dieses Leuchten des Moments, es lässt sich nicht einfangen, so sehr man sich auch danach verzehren mag. Schönheit lässt sich nicht einfangen, und wo man es versucht, da verwelkt sie. Schönheit ist nicht von ungefähr seit jeher Sinnbild menschlichen Strebens und menschlicher Vergänglichkeit. In den Stillleben der flämischen Meister Mitte des 15. Jahrhunderts ist dieses Thema immer wieder variiert worden.
Auch die beiden im Kanton Bern lebenden Kunstschaffenden Elsbeth Böniger (*1945) und Christian Indermühle (*1945) nehmen sich in einer gemeinsam geschaffenen ­Serie von Fotografien des Stilllebens an. Indermühle hat sich einen Namen mit seinen klassischen Fotografien von Bauten und Landschaften gemacht. Bönigers Werk ist durch Auseinandersetzungen mit dem Medium der Malerei und der Inszenierung der Wirkung von Farbe geprägt. Von der Malerin Böniger stammen die Hintergründe der Arrangements aus Früchten, Blüten und Kunstgegenständen aus fernen Ländern, die Indermühle fotografiert hat. Oft aus nur wenigen Objekten komponiert, lassen diese Stillleben kleine Welten entstehen, so delikat, so fein moduliert, so berauschend, dass sie ein Glücksgefühl erwecken, in dem zugleich das Unglück fühlbar wird, nicht ewig in dieser Welt des Schönen, Perfekten, Idealen verweilen zu können. Üppige Trauben, polierte Gläser, makellose Lackschälchen bieten sich dem Auge dar vor Farbstudien aus Bönigers Atelier, die mal wie kunstvoll abstrahierte Landschaften wirken, wie bewegte Himmel oder auch wie luxuriöse Tapeten aus einem kleinen Lustschlösschen. Raffiniert und elegant nehmen die Arrangements die Stimmungen und Linienführungen der Hintergründe auf und erzeugen so eine schier unerhörte Lust des Schauens.

Bis: 02.12.2017



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Elsbeth Böniger, Christian Indermühle [03.11.17-02.12.17]
Institutionen Bernhard Bischoff & Partner [Bern/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Elsbeth Böniger
Künstler/in Christian Indermühle
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