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Besprechung
11.2017


Raffael Dörig :  Seit 25 Jahren arbeiten Monica Studer und Christoph van den Berg mit digitalen Mitteln an Fragen von Abbild und Konstruktion, von automatisierten Prozessen und Virtualität. Neuste ­Arbeiten im Gluri Suter Huus in Wettingen lassen uns ins Universum der beiden Weltenbauer eintauchen.


Wettingen : Studer/van den Berg - Verschachtelungen


  
Studer/van den Berg · Beings, 2017, interaktive Installation, Screenshot (Ausschnitt)


Betreten wir den prächtigen Riegelbau von 1741 am Fuss der Wettinger Rebberge, befinden wir uns - dem Umbau von 1971 sei Dank - plötzlich in ­einem Kindergarten und Kulturzentrum der Siebzigerjahre. Ein passender Auftakt, treiben doch Studer/van den Berg die architektonisch vorgegebene Verschachtelung in ­ihren ­Arbeiten weiter. Die zentrale neue Arbeit ‹Beings› befindet sich in einer kulissenartigen Holzkonstruktion, die durch einen niedrigen Gang in der Farbe eines Green Screen betreten wird. Wir tauchen in einen projizierten, digital konstruierten Raum ein, einen nächtlichen, nebligen Wald, durch den wir mittels Joystick navigieren. Zwischen den Bäumen entdecken wir helle Punkte, die zu farbigen Lichtgebilden wachsen, auf den virtuellen Betrachterstandpunkt zuströmen und sich schliesslich auf­lösen. Wir begegnen diesen ‹Beings›, Wesen aus Licht, während wir nichts anderes als projiziertes Licht anschauen.
Ein solches Spiel mit der Betrachtungssituation findet sich auch in der Arbeit ‹Explorer›, wo uns die Lichtwesen ein zweites Mal begegnen. Setzen wir uns dort in die (diesmal Blue-Screen-blaue) Holzkonstruktion und schauen auf den Bildschirm, so sehen wir uns darauf von der Seite, eines der schwebenden Lichtwesen betrachtend. Die in einem Kartonhäuschen versteckte Kamera bildet uns als Betrachtende eines Bildschirms ab und setzt uns als Betrachtende eines Lichtwesens in eine virtuelle Welt ein. Damit spiegelt und verdichtet sich die Situation, in der wir uns vor der Projektion einen Stock tiefer in ‹Beings› befanden. Allerdings ist mittlerweile Frühling geworden, wie sich anhand der veränderten Vegetation unschwer erkennen lässt.
Neben den beiden zentralen interaktiven Installationen und neben Drucken zeigen Studer/van den Berg Videos, die einige ihrer Hauptthemen weiterverfolgen: die schwierige Darstellung von Naturphänomenen in digital konstruierten Räumen in ‹Wind-Wasser-Wolken› oder die abstrahierte Natur und der Bezug zur Wissenschaft in ‹Dark Matter - One Million Years Later›. Dazu setzen wir uns in die dritte Holzkonstruktion, diesmal rot gestrichen. Und damit sind wir bei einem letzten architektonischen Kniff dieser konzentrierten Schau angelangt: Die Farben der drei Holzgehäuse ergeben in der Zusammenschau rot-grün-blau das RGB der additiven Farbmischung, wie wir sie vom Bildschirm oder von Projektionen kennen. Dazu passt, dass in der letzten neuen Arbeit, der digitalen Echtzeit-Animation ‹Verlauf›, nichts anderes passiert als ein endloses Mischen von Farben.

Bis: 10.12.2017



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Studer/Van den Berg: Findings [27.08.17-10.12.17]
Institutionen Galerie im Gluri Suter Huus [Wettingen/Schweiz]
Autor/in Raffael Dörig
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