Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
11.2017


Isabel Zürcher :  Die Kunsthalle Basel richtet den Blick nach innen auf die eigene Geschichte. Das interne Bildarchiv lagerte bis vor wenigen Jahren chronologisch sortiert in Hängeregistern und stand für punktuelle Recherchen zur Verfügung. Nun wird es zur Partitur aktueller künstlerischer Interventionen.


Basel : Exposed Exhibitions - Rückschau muss nach vorn weisen


  
links: Esther Hunziker · Installationsansicht, Hall, 2017, Exposed Exhibitions - Fotoarchiv der Kunsthalle Basel, Installationsansicht, Kunsthalle Basel, 2017. Foto: Philipp Hänger
rechts: Cécile Hummel · Distant Glance, 2017, Exposed Exhibitions - Fotoarchiv der Kunsthalle Basel, Installationsansicht, Kunsthalle Basel, 2017. Foto: Philipp Hänger


Schon immer sei die Kunsthalle Basel der Zeit voraus gewesen. Elena Filipovic spricht aus, wonach man im Archiv nicht lange suchen muss. Weitsichtig hat diese Adresse über Jahrzehnte manchem ungesicherten Experiment eine Bühne geboten und ist Risiken eingegangen jenseits des breiten Publikumsgeschmacks. Doch um Basels Liaison zu den Avantgarden der Kunst geht es nicht in ‹Exposed Exhibitions›, auch wenn Streiflichter aufs eigene Bildarchiv durchaus dazu taugen, die Institution als Treiberin internationaler Künstlerlaufbahnen vorzustellen. Vielschichtiger wird die Lektüre, wenn Codes der Repräsentation, Techniken des Dokumentierens, Formate der Erinnerung oder Risiken von Bildverlust und Vergessen Thema sind.
Über sechs Jahre dauerten die Tiefenbohrungen in die Kunst- und Institutionsgeschichte, um über 25'000 Fotografien, Glasplattennegative, Dias oder Polaroids zu erfassen, zuzuordnen und zu digitalisieren. Der historisierenden Nahsicht einer Präsentation ausgewählter Bilddokumente stellt die Kunsthalle geschickt fünf zeitgenössische Gastspiele an die Seite. Neue Werke treten individuelle Reisen an, legen alternative Ordnungsmuster aus, verknüpfen künstlerisches Handeln mit dem Gedächtnis der Institution. Wenn Esther Hunziker fotografierte Werke isoliert und in digitalem Schwarzweiss über eine grosse Leinwand schweben lässt, durchdringen sich Tafelbild, Objekt und Bronzeplastik in einem scheinbar zeitlosen Raum. Erinnerung ist selektiv und nimmt sich das Recht, immer wieder andere Kombinationen vorzutragen. Cécile Hummel untersucht das bildliche Erbe zweier Ausstellungen aus der Ära von Arnold Rüdlinger. Kunst aus Nigeria und Neuguinea kreuzte 1962 die Grenze vom Gebrauchs- und Kultgegenstand in die Rezeption als Kunst und kehrt jetzt - als Bild im Bild - wieder in die Ausstellungsräume zurück. Ob ein Eigenname wie bei Raoul Müller Bilder und Objekte in eine subjektive Auslegeordnung aufnimmt oder Doris Lasch und Astrid Seme ein Werk von Barbara Kruger dekonstruieren: Das Archiv birgt Stoff für die Gegenwart und muss sich für die Zukunft so offen halten wie die Kunsthalle selbst. Einer, der das schon 1969 wusste und seiner damaligen filmischen Hommage an den Bau eine digitale Neufassung schenkt, ist Werner von Mutzenbecher. Man kann den eigenen Schatten neben den Künstler stellen. Dann schaut man nach vorn und wird zur Silhouette, die das Vorausgegangene und das Kommende gleichzeitig trennt und zusammenhält.

Bis: 12.11.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Exposed Exhibitions [22.09.17-12.11.17]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Isabel Zürcher
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=171021180120VC2-8
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.