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Besprechung
11.2017


Kristin Schmidt :  «Ich experimentiere mit Farbe, um herauszufinden, was mit ihr geschieht.» Marcia Hafif erforscht den Grundstoff der Malerei, die Farbe auf ihrem Trägermaterial. Das Werk der amerikanischen Künstlerin wird zeitgleich im Kunsthaus Baselland und im Kunstmuseum St. Gallen gewürdigt.


Basel/Muttenz, St. Gallen : Marcia Hafif - Das schönste Schwarz


  
links: Marcia Hafif · An Extended Gray Scale, 1972, Installationsansicht St. Gallen, Courtesy Fergus McCaffrey. Foto: Mark Mosman
rechts: Marcia Hafif · Twenty Glaze Paintings, 1995, Öl auf Leinwand, je 36x36 cm, Installationsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Gina Folly


Farbe, dicht, matt, samten, unergründlich tief, leuchtend; Pigmente rein, unvermischt - die Gemälde der Amerikanerin Marcia Hafif (*1929, Pomona) entfalten einen unwiderstehlichen Sog. Zusammengestellt zu Reihungen und Gruppen betören sie durch ihren sonoren Farbklang. Sie bilden nichts ab, sie sind unabhängig und radikal. Auch wenn sich die Künstlerin für eine Kategorisierung ihrer Arbeit als «Radical Painting» nicht erwärmen kann, verweisen die monochromen Gemälde auf nichts ausserhalb ihrer selbst. Sie existieren «unabhängig von dieser Welt», wie Hafif 1981 schrieb. Zugleich besitzen sie das Potenzial, mit dieser Welt zu interagieren, den Blick für diese Welt zu öffnen. Das zeigen die Präsentationen im Kunsthaus Baselland und im Kunstmuseum St. Gallen besonders anschaulich, da die Werke im umgenutzten Industriegebäude andere Qualitäten ans Licht bringen als im klassizistischen Museumsbau. Ein vergleichender Blick lohnt sich umso mehr, als die beiden Institutionen das Œuvre nicht nach werkspezifischen Kriterien untereinander aufgeteilt haben, sondern gemeinsam einen umfassenden Überblick zeigen.
Hier wie dort sind unter anderem ‹Black Paintings› zu sehen, jene grossformatigen Bilder, in denen sich Pinselstriche in Umbra und Ultramarin zu einem irisierenden Schwarz fügen, in dem auch das Licht noch Platz findet. Im Kunstmuseum St. Gallen ergänzen Hafis Fotografien aus ihrem Geburtsort Pomona den konzeptuellen Ansatz der Arbeit, während im Kunsthaus Baselland die Aufnahmen aus Mexiko und Rom zusätzlich zur formalen Stringenz eine anekdotische Komponente ins Spiel bringen. Im Oberlichtsaal des Kunstmuseums interagiert die hervorragend inszenierte 106-teilige Serie ‹An Extended Gray Scale› mit der Reihung der Stuckelemente, während die ‹Twenty Glaze Paintings› im Kunsthaus Baselland mit dem schmalen Ausstellungssaal und seinen sechs bodentiefen Fenstern korrespondieren. In beiden Hängungen lässt sich zusätzlich der Aspekt der Zeitlichkeit erleben: Hafifs Werke sind Ausdruck von Dauer. Eindrücklich zeigt sich dies in Muttenz und St. Gallen auch in den Blättern mit repetitiv gesetzten Bleistiftstrichen.
Bei aller Übereinstimmung entwickeln die beiden Ausstellungen einen jeweils eigenen Charakter und wirken damit vielmehr wie zwei ebenbürtige Teile einer Gesamtschau als zwei einander ergänzende Präsentationen.

Bis: 14.11.2017



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Marcia Hafif [16.09.17-14.01.18]
Ausstellungen Marcia Hafif, Maja Rieder [15.09.17-12.11.17]
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Institutionen Kunsthaus Baselland [Basel/Muttenz/Schweiz]
Autor/in Kristin Schmidt
Künstler/in Marcia Hafif
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