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11.2017




Basel : Marc Chagall


von: Stefanie Manthey

  
links: Marc Chagall · Ich und mein Dorf, 1911, ­Gouache auf Papier, 42,4x32,6 cm ©ProLitteris, Courtesy Kunstmuseum Basel
rechts: Marc Chagall · Der Jude in Hellrot, 1915, Öl auf Leinwand, 100 x 80,5 cm © ProLitteris, Staat­liches Russisches Museum, St. Petersburg


Die Zehnerjahre, die Avantgarden der Moderne, der Erste Weltkrieg und die Russische Revolution sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden. Diese weltpolitisch brisante Zeit ist identisch mit den Jahren, in denen Marc Chagall (*1887, Witebsk) seinen künstlerischen Durchbruch erlangte. Auf diese besondere Phase fokussiert das kulturhistorisch angelegte Ausstellungsprojekt, an dem Kurator Josef Helfenstein zusammen mit Kollegen der Universität Basel und eikones schon vor seinem offiziellen Amtsantritt zu arbeiten begonnen hatte. Ausgangspunkt sind die herausragenden Bestände des Kunstmuseums Basel, die Georg Schmidt und Franz Meyer mit besonderer Nähe zum Künstler aufgebaut haben und die eigens restauratorisch untersucht wurden. Die Sonderausstellung entgrenzt die hauseigene Geschichte hin auf die zeitgleiche ethnografische Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur und die künstlerische und propagandistische Verwendung von Fotografie und Film während der Russischen Revolution. Chagall war während dieser Zeit Kulturkommissar für Witesbk.

Kern der Bestände sind Werke, die Chagall in Wiederannäherung an Witebsk malte, den Ort, von dem aus er 1911 nach Paris aufgebrochen war. Dazu gehören drei Bildnisse älterer Juden aus der Sammlung Im Obersteg und ‹La prise›. Dieses Ensemble konnte mit einem vierten Judenbildnis und einer früheren Fassung von ‹La prise› arrondiert werden. Die Einstimmung in das Thema erfolgt durch Aufnahmen von Solomon Judowin, mit dem Chagall kurze Zeit gemeinsam studierte. Sie stammen von einer Expedition im sogenannten Siedlungsrayon zwischen 1912 und 1914, als die Kultur des Ostjudentums, die zunehmend vom Aussterben bedroht war, archiviert werden sollte. Die chronologisch gehängte, feinsinnig orchestrierte Ausstellung umfasst Vorstudien, Selbstbildnisse und Tuschezeichnungen. Sie schliesst mit einem dicht besetzten «roten» Raum, in dem Aufnahmen von zwei Alben zur Russischen Revolution aus dem Volkskommissariat für Aufklärung zu sehen sind, die sich heute in der Fotosammlung Ruth und Peter Herzog befinden. Es ist ein Glücksfall, wenn ein Projekt in dieser Dichte und mit so hohem inhaltlichem Anspruch realisiert wird, so dass die Werke in ein neues Licht gerückt und Themen freigelegt werden, die nie an Aktualität verlieren.

Bis: 21.01.2018


umfangreiches Begleitprogramm mit Josef Helfenstein und Olga Osadtschy sowie den ­Restauratoren Werner Müller und Sophie Eichner



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Marc Chagall [16.09.17-21.01.18]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Hauptbau/Neubau [Basel/Schweiz]
Autor/in Stefanie Manthey
Künstler/in Marc Chagall
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