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11.2017




Bern : 10 Americans


von: Alice Henkes

  
links: Adolph Gottlieb · The Seer, 1950, Öl auf Leinwand, 151,2x181,9 cm ©ProLitteris
rechts: Kenneth Noland · In the Garden, 1952, Öl auf Hartfaserplatte, 49,5x76,2 cm, The Phillips Collection, Washington ©ProLitteris


Zu den vornehmsten Aufgaben der Kunsthistoriker/innen gehört es, allzu vertraute Vorstellungen gelegentlich kräftig durchzuschütteln. Die Kuratorin Fabienne Eggelhöfer hat sich in einem Forschungsprojekt mit den US-amerikanischen Modernen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, von denen gern erzählt wird, sie hätten eine eigene, uneuropäische, ja sogar antieuropäische Ausdrucksform gesucht. Eggelhöfer zeigt in einer anregenden Schau im Zentrum Paul Klee, wie sehr die US-Modernen von Strömungen und Denkweisen in der europäischen Kunst beeinflusst waren, vor allem von Paul Klee. Der in Münchenbuchsee geborene Künstler, der lange am Bauhaus gelehrt hatte, stand, anders als ein Picasso oder Matisse, nicht für einen bestimmten Stil, sondern für eine Geisteshaltung. In Klees Werk begegneten junge amerikanische Künstler wie Robert Motherwell, Mark Tobey und Kenneth Noland der eingehenden Suche nach ursprünglichen Ausdrucksformen und dem unverfälschten Kontakt zur Natur und zum eigenen Innern.
Eggelhöfer hat in ihrer Forschung zahlreiche Kunstschaffende aus New York und Washington gefunden, in deren Werken und Selbstzeugnissen sich Hinweise auf eine Beschäftigung mit Paul Klee finden. In der Ausstellung ‹10 Americans›, die in Kooperation mit der Phillips Collection, Washington D.C., entstanden ist, präsentiert sie zehn Kunstschaffende, die in den Dreissiger- und Vierzigerjahren in unterschiedlicher Weise und Intensität mit Klees Schaffen in Berührung gekommen sind. Das Spektrum reicht von einem Maler wie Adolph Gottlieb, der bereits in ganz jungen Jahren nach Deutschland reiste, um die Werke des von ihm bewunderten Klee zu studieren, bis zu Jackson Pollock, der sich öffentlich gern herablassend über Klee äusserte. Allerdings pflegte Pollock Kontakt zum britischen Maler und experimentellen Druckgrafiker Stanley William Hayter, der eine wichtige Scharnierfunktion innehatte, da er sich sowohl mit europäischen Künstlern wie Picasso, Giacometti, Max Ernst befasste wie auch mit US-amerikanischen. Die Ausstellung zeigt, wie sehr Ideen wie jene vom Kontakt zum eigenen Unbewussten Künstler/innen unterschiedlicher Stilrichtungen infiziert haben, und erlaubt so einen äusserst interessanten Seitenblick auf ein vermeintlich bekanntes Kapitel der Kunstgeschichte.

Bis: 07.01.2018



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Ausgabe 11  2017
Autor/in Alice Henkes
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