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Hinweis
11.2017




Graz : 50x Steirischer Herbst


von: Raimar Stange

  
links: Diese Wildnis hat Kultur, 2017, Installations­ansicht, Graz Museum. Foto: Schurig
rechts: Jonathas de Andrade · Eu, mestiço/Me, a ­mestizo, 2017, UV-Druck auf 16 mm Wabenplatten, Instituto Moreira Salles Photography Collection, Courtesy Neue Galerie Graz und Galleria Continua, San Gimignano


Seit einem halben Jahrhundert gibt es nun den Steirischen Herbst, ein Festival, das mit seiner Mehrspartigkeit von Theater, Musik und Kunst in Europa Massstäbe gesetzt hat. Grund zum Feiern aber gibt es zumindest für den Kunstbereich kaum.
Gegründet wurde der Steirische Herbst 1967 in erster Linie, um damals immer noch vorhandenen rechtsnationalen Strömungen in der Steiermark aufklärerisch entgegenzuwirken. Es ging also dezidiert nicht um so etwas wie eine Verbesserung der Standortqualitäten, die der Industrie und dem Tourismus heute allzu oft zugutekommen soll. Nicht zuletzt diese, wenn man so will «humanistische» Motivation ist ein Grund dafür, dass das Festival in seiner Geschichte fast durchweg auf hohem Niveau gearbeitet hat, ohne sich dem Mainstream oder verabredeten gesellschaftlichen Konventionen anzupassen.
Diese überaus wechselhafte Geschichte in nur einer Ausstellung repräsentativ abbilden zu wollen, ist selbstverständlich ein unmög­liches Unterfangen, und darum hat sich ‹Diese Wildnis hat Kultur - 50x Steirischer Herbst›, die ­Ausstellung im Graz Museum zum 50. Jubiläum des Festivals, klug auf vor allem einen Aspekt dieser Geschichte konzentriert, nämlich auf den der Aufbereitung des Festivals in den Medien. Parallel dazu werden ausgewählte Plakate, u. a. des Steirischen Herbstes, und auch Gespräche mit seinen Leiter/innen in Form von Videos oder Texten im Graz Museum präsentiert.
Die mediale, meist kritische Berichterstattung über den Steirischen Herbst weist, genau ­dieses macht die sorgfältig kuratierte Aus­stellung deutlich, immer wiederkehrende ­Muster auf, die durch die drei folgenden Zitate aus österreichischen Tageszeitungen, die so oder so ähnlich immer wieder zu lesen waren, deutlich werden: «Nitsch-Affäre: herbst-Direktorium droht mit Rücktritt», 1981, «Jedes Festival muss sich neu positionieren», 2001, und «Nochmals der Rotstift», 2013. Eine Dreiuneinigkeit von Skandalen, meist mit der Diskussion um Posten verbunden, von künstlerischen, oft abgelehnten Innovationen und von Finanzproblemen durchzieht die Geschichte der letzten fünfzig Jahre des ‹herbstes› wie ein roter Faden.
Besagtes Finanzproblem ist heuer im Kunstbereich der trotzdem überaus sehenswerten Hauptschau des Steirisches Herbstes ‹Prometheus Unbound› in der Neuen Galerie leider wieder eingeschrieben, ist diese mit nur noch sechs künstlerischen Positionen doch deutlich kleiner geraten als in den Jahren zuvor.

Bis: 08.01.2018



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Ausgabe 11  2017
Institutionen Neue Galerie Graz [Graz/Österreich]
Institutionen Universalmuseum Joanneum [Graz/Österreich]
Autor/in Raimar Stange
Link http://www.steirischerherbst.at
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