Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
11.2017




Karlsruhe : Woman


von: Patricia Grzonka

  
links: Ana Mendieta · Untitled (Glass on Body Imprints) 1972/1997, C-Print (aus einer sechsteiligen Serie), Courtesy of Galerie Lelong, New York, Sammlung Verbund, Wien
rechts: Ulrike Rosenbach · Art is a criminal action No 4, 1969, S/W-Fotografie auf Barytpapier ©ProLitteris, Sammlung Verbund, Wien


Die Ausstellung ‹Woman. Feministische Avantgarde› zeigt Werke von rund fünfzig Künstlerinnen, die sich seit den Siebzigerjahren mit ihrer Identität als Frau und Künstlerin auseinandergesetzt haben. Rollenklischees, stereotype Geschlechterkonstruktionen und emanzipatorische Aktionen stehen im Vordergrund dieser aus den Beständen des österreichischen Energiekonzerns Verbund zusammengestellten Schau.
Als eine der wenigen Privatsammlungen widmet sich diese einer von den Kunstinstitutionen bisher marginalisierten Bewegung: der Aufbruchsgeneration von Künstlerinnen, die sich gegen tradierte Vorstellungen und Normierungen ihres sozialen Status wandten. Die Beiträge - wie der gleichnamige Katalog mit Nachdruck ‹Feministische Avantgarde› genannt - verhandeln teils ironisch, teils drastisch-realistisch Unterdrückungsverhältnisse in einer patriarchalen Gesellschaft.
Die Strategien der Künstlerinnen lassen sich oft über ähnliche Bestrebungen verfolgen: Sie beschäftigen sich mit den Rollen, die ihnen einschränkend zugewiesen wurden. Die US-amerikanische Künstlerin Martha Wilson entwickelte eine Fotoserie mit Selbstinszenierungen in Rollen wie Hausfrau, Göttin, Prostituierte, Berufstätige oder Lesbe und beschrieb deren gesellschaftliche Relevanz aus einer männlichen Perspektive. Auch Cindy Sherman taxierte die Fahrgäste in einem amerikanischen Bus in Gender-Stereotypen. Der Reflexion von Rollenklischees folgen reduktionistische Selbstdarstellungen, bei denen Themen wie Vergänglichkeit und normative Schönheits­ideale hinterfragt werden, so beispielsweise in den Selbstverletzungen und Verunstaltungen des Gesichts der Kubanerinn Ana Mendieta oder der Performancekünstlerin Gina Pane.
Sammlungsleiterin Gabriele Schor konnte in den letzten Jahren nicht nur bekannte Namen in die Sammlung aufnehmen, sondern präsentiert auch Künstlerinnen, die international bisher wenig zu sehen waren, etwa die Schweizerin Renate Eisenegger, deren Konvolut fotografischer Dokumentationen jahrelang auf einem Schaffhauser Dachboden gelegen hat. Sie alle sollen, so heisst es, den «männlich dominierten Kanon der Avantgarden erweitern». Die Ausstellung ist dort am interessantesten, wo die Kategorien durchlässig werden: Bei Francesca Woodman etwa, die im Raum und gleichzeitig in der Architektur verschwindet.

Bis: 08.04.2018



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Feministische Avantgarde der 1970er (Slg. Verbund) [18.11.17-08.04.18]
Institutionen ZKM | Zentrum für Kunst und Medien [Karlsruhe/Deutschland]
Autor/in Patricia Grzonka
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=171025221432A32-32
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.