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Hinweis
11.2017




Vaduz : Bignia Wehrli, Lydia Wilhelm, Maureen Kägi


von: Karlheinz Pichler

  
links: Lydia Wilhelm · Modulierung, 2017, Bleistift auf Papier, 101x70 cm
rechts: Bignia Wehrli · Sonnenzirkel - Rhein, von Sargans bis Buchs, 2017, Installation (Detail)


Ein Jahr nach ihrem Auftritt im Kunstraum Klingental in Basel haben sich die Schweizer Künstlerinnen Bignia Wehrli, Lydia Wilhelm und Maureen Kägi im Vaduzer Kunstraum Engländerbau erneut zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammengefunden. Dem Thema ‹on lines› nähern sie sich dabei aus heterogenen Richtungen an. Linien, aufgefasst als Verbindungen, Grenzen und Schnittstellen, können nicht nur über die Zeichnung und die Malerei, sondern auch akustisch und über die Bewegung im Raum nachempfunden werden.
Das Grenzgebiet entlang des Rheins inspirierte Bignia Wehrli (*1979, Uster) zu ihrer medienübergreifenden Arbeit ‹Sonnenzirkel›. Sie montierte eine überdimensionale Camera Obscura auf einen LKW-Schlauch und schickte die Konstruktion auf eine Rheinfahrt von Sargans nach Buchs. An zehn sonnigen August­tagen generierte das durch einen starken Filter einfallende Licht kreisrunde fotografische Aufzeichnungen. Unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten, Sonnenstand, Windverhältnisse und andere Parameter hinterliessen auf dem lichtempfindlichen Papier entsprechende Spuren der Abweichung. Fotos und Lochkamera werden im Engländerbau zusammen mit einer Videoaufzeichnung der Rheinfahrt der Kamera als Installation präsentiert. In einer zweiten ­Videoarbeit hält Wehrli an einem Strand ein Glas Wasser in der Hand, dessen Wasserstand sich exakt mit der Horizontlinie des Meeres deckt und gleichsam eine Schnittstelle zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren bildet. Lydia Wilhelm (*1975, Disentis/Mustér) verwendet für ihre Graphitzeichnungen, die sich zu geometrischen oder architektonisch anmutenden Texturen verdichten, Schablonen oder Winkelelemente. Kleine Unregelmässigkeiten verweisen dabei auf das Prozesshafte der Arbeitsabläufe, weisse Leerstellen verleihen den Zeichnungen Plastizität. Am Boden des Kunstraums geht Wilhelm dann auch mit Holz zur Sache. Batteriebetriebene Schwemmhölzer des Rheins bewegen sich lautstark durch den Raum. Die solcherart immateriell gezogenen Linien werden sprichwörtlich hörbar.
Maureen Kägi (*1984, New Plymouth) wiederum lässt ihre grossformatigen Leinwände wie Raumteiler von der Decke hängen. Fixiert man die vielen mit rotem, grünem und blauem Filzstift rhythmisch gesetzten Linien, so beginnen sie zu flirren. Auf Distanz wirken die Arbeiten computergeneriert. Erst beim Nähertreten wird man der manuellen Spuren, der Absetzungen, kleinen Unregelmässigkeiten, Zittrigkeiten gewahr. Wie bei Wehrli und Wilhelm kommt es auch bei Kägi zu einer Verdichtung von Raum, Zeit und Bewegung.

Bis: 12.11.2017



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Maureen Kägi, Bignia Wehrli, Lydia Wilhelm [12.09.17-12.11.17]
Institutionen Kunstraum Engländerbau [Vaduz/Liechtenstein]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in Bignia Wehrli
Künstler/in Lydia Wilhelm
Künstler/in Maureen Kägi
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