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11.2017




Winterthur : Neu. Sachlich. Schweiz


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Niklaus Stoecklin · Selbstbildnis, 1918, Öl auf Karton auf Holz, 71x54 cm, Kunstmuseum Winterthur, Geschenk von Balthasar und Nanni Reinhart-Schinz, 1994 ©ProLitteris
rechts: Theodor Barth, 1875-1949 Glaskugeln, 1944, Öl auf Sperrholz, 56x61 cm. Foto: Philipp Hitz


Die Neue Sachlichkeit ist eine Kunstströmung, die sich zwischen 1918 und 1933 in Deutschland ausbildete und auch in der Schweiz ihre eigenständige Ausprägung fand. In der Schweiz fand die letzte Überblicksschau zu diesem Thema vor fast vierzig Jahren statt: 1979 organisierte der damalige Direktor des Kunstmuseum Winterthur, Rudolf Koella, die breit angelegte Epochenschau ‹Neue Sachlichkeit und Surrealismus in der Schweiz 1915-1940›. Nun zeigt das Museum Oskar Reinhart eine grosse Sonderausstellung, die ausschliesslich dem Phänomen Neue Sachlichkeit in der Schweiz nachspürt. Zu sehen sind über 120 Werke von 16 Künstlern (Künstlerinnen fehlen) aus allen Regionen, vom Bodensee bis in die Romandie und vom Tessin bis nach Basel. Neben den bedeutendsten Vertretern wie Niklaus Stoecklin, Eduard Gubler, Adolf Dietrich und François Barraud werden auch Künstler gezeigt, die in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind wie Wilhelm Schmid und Arthur Riedel. Auf zwei Stockwerken wird nicht nur Malerei präsentiert, sondern auch Arbeiten auf Papier, u.a. expressive Tuschzeichnungen von Johannes Robert Schürch und hyperexakte Bleistiftzeichnungen von Eugen Zeller. Zu den Exponaten zählen zudem Plakate von Otto Baumberger und Niklaus Stoecklin. Das Motiv seines Plakats für die Weihnachtsausstellung 1939 in der Kunsthalle Basel wird wenige Jahre später von seinem Basler Malerkollegen Theodor Barth in einem Gemälde wieder aufgegriffen und variiert: eine Ateliersituation widergespiegelt auf der Oberfläche einer Weihnachtskugel. In der neusachlichen Malerei findet man meist alltägliche Sujets: Strassenszenen, Stillleben, Porträts von Verwandten und Bekannten - nichts Spektakuläres, alles kühl, nüchtern, statisch und objektiviert dargestellt. Die Welt ist in der neusachlichen Kunst «begreifbar». Die Menschen der Zwischenkriegszeit waren durch Krieg, wirtschaftliche Misere und soziale Spannungen geprägt. Einzelne Künstler wie Niklaus Stöcklin überhöhten die Wirklichkeit ins Magische. Seine Werke ‹Vorstellung› und ‹Casa rossa› knüpfen an spätmittelalterliche Kunst an, erinnern zum einen an Mariendarstellungen bspw. von Konrad Witz, zum anderen an Weltlandschaften wie bspw. von Joachim Patinier. Der Basler Künstler gehört zu den Mitbegründern und Hauptvertretern der neusachlichen Malerei. Schon früh wurde er von Georg und Oskar Reinhart durch Ankäufe gefördert und bereits 1927 im Kunstmuseum Winterthur mit einer Einzelausstellung bedacht.

Bis: 14.01.2018


Publika­tion Scheidegger & Spiess, Zürich



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Neu. Sachlich. Schweiz [02.09.17-14.01.18]
Ausstellungen Neu. Sachlich. Schweiz [01.09.17-14.01.18]
Institutionen Museum Oskar Reinhart [Winterthur/Schweiz]
Institutionen Kunstmuseum Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
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