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Hinweis
11.2017




Zug : Michael Kienzer


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Michael Kienzer · Raum und Figur, 2017, Ausstellungsansicht Kunsthaus Zug. Foto: Jorit Aust
rechts: Michael Kienzer · Flyer, 2017, Ausstellungs­ansicht Kunsthaus Zug. Foto: Jorit Aust


Das Zuger Kunsthaus hat eine leichte Auffrischung erfahren. Die Architektur Franz Füegs, der 1990 das Herrenhaus zum Museum umgestaltete, bedurfte keiner grossen Veränderungen. Sichtbar ist aber das neue Lichtkonzept, eine Mischung von Tages- und Kunstlicht, das eine intensivere Begegnung mit den Werken ermöglichen soll. In der ersten Ausstellung nach dieser Sanierung, die dem österreichischen Bildhauer Michael Kienzer (*1962) gewidmet ist und alle Räume des Hauses umfasst, überzeugt die neue Anlage mit ausgezeichneten und für Skulpturen günstigen Lichtverhältnissen.
Kienzer war bereits 2010 anlässlich der thematischen Schau ‹Linea› in Zug zu Gast - im Hof mit der Arbeit ‹Parasit›, einem Knäuel von Stahlschnüren, die eine frei ausschwingende und luftige Form bilden. Mit manchen der nun im Haus präsentierten Arbeiten schafft Kienzer vielschichtige Bezüge zu den Räumen. Ein Beispiel: Mit in den Saal eingefügten, grauen Trägern, die Architekturelementen Füegs entsprechen, schafft er eine in den ganzen Raum ausgreifende Installation, die den Blick auf eine Steinskulptur Fritz Wotrubas lenkt, die sonst im Park des Museums steht und die Kienzer, eine Art Reverenz gegenüber dem Bildhauer, in den Raum geholt hat. Beziehungen werden zudem sichtbar zwischen den Wendeltreppen, die Füeg zu filigran wirkenden Raumskulpturen ausgestaltete, und den Plastiken, die Kienzer aus im Fachhandel (für Maschinenbau zum Beispiel) erworbenen oder vorgefundenen banalen Aluminium- und Holzteilen wie Platten, Leisten, Profilen, Rollen, Rohren zusammenfügte. Besonderes Augenmerk verdienen die oft mittels Magneten bewerkstelligten Verbindungen zwischen den einzelnen Teilen. Kienzers Arbeiten leben von Gegensätzen: Horizontal-Vertikal-Strukturen steht Amorphes wie verbogene oder gestauchte Bleche gegenüber. Hartes Ausgreifen stösst auf Weiches, prekäre Balance auf stabile Tektonik, Spontanes auf architektonische Klarheit. Durchblicke bieten wechselnde Perspektive neben verschlossenen, unserem Blick entzogenen Innenräumen. Manche Arbeiten evozieren unterschiedliche, vielleicht auch sich widersprechende Assozia­tionen: Man mag mal an einen Webstuhl oder an Maschinenkonstruktionen, mal an einen Käfig oder einen Pavillon, dann wiederum an Offenheit und Befreiung denken. Auch Ironie spielt mit: An einem Aluminiumbalken entdeckt man Libellen, welche die Elemente zur Wasserwage werden lassen, als möchte Kienzer sich der Kontrolle über sein Tun versichern.

Bis: 05.11.2017



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Michael Kienzer [02.09.17-05.11.17]
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Michael Kienzer
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