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Hinweis
11.2017




Zürich : Qubibi


von: Thomas Schlup

  
Qubibi · Diagolus 3, 2017. Durch das Spiel mit Fingerpuppen mit Bewegungssensoren, werden die ­Besucher zur Regisseuren einer humorvollen Konversation, Courtesy Digital Arts Association


O goldene Tage der Vergangenheit, o endlose Stunden vor Röhrenbildschirmen mit grob gepixelten und kaum beweglichen Figuren und ihrem metallenen «pling». Da ist er also, der kleine surrende Schwarzweissmonitor auf dem Boden des Museum of Digital Art und lädt uns zu einer Zeitreise ein. Hinknien muss man sich, hinlegen gar, um huschende Symbole, flirrende Herzen und die unerbittlich ablaufende Anzeige der Lebenskraft zu sehen. ‹Game for Life› heisst das hypnotisierende und autobiografisch aufgeladene Werk in der Einzelausstellung des japanischen Künstlers Qubibi (*1977, Tokyo), das ohne Interaktion seitens der Besucher/innen vor sich hin läuft. Ein­gegriffen werden darf in ‹Diagolus›, wo zwei (ver)schwimmende Gesichter auf einer Leinwand mittels Handpuppen zum Sprechen gebracht werden können. Das auf einen Laut beschränkte Vokabular lässt die Konversation in Verbindung mit der Tonspur aber schnell ins Surreale kippen. Das konstante analoge Rauschen des Verkehrs auf der Pfingstweidstrasse mischt sich hingegen ein paar Schritte weiter mit dem in Zürich aufgenommenen Soundscape von ‹hello world›. Auf einer sieben Meter breiten Wand läuft eine kontinuierlich generierte, von Qubibi in der vergangenen Dekade immer wieder abgestimmte Animation, die sich nie wiederholt. Die Bilder oszillieren von Mustern menschlicher Blutgefässe über wuchernde Mikroorganismen und elektronische Leiterbahnen bis zu simplen Leuchtpunkten, Scheinwerfern in der Nacht gleich, während an der Decke des Raums Reflexionen der vorbeibrausenden Fahrzeuge in das Werk hineinzufliessen scheinen. Die insgesamt acht Exponate erschliessen sich (westlichen) Besucher/innen nicht ohne weiteres, was aber die Entdeckungsreise um so spannender und anspruchsvoller macht. Da hilft das schön analoge, zeitungsähnliche Faltblatt, welches zweisprachig durch die Ausstellung führt und dazu einlädt, für einen Franken ein einzigartiges Kunstwerk auszudrucken. Es ist dies ein Ausschnitt aus ‹hello world› auf Thermopapier - die schwarze Farbe wird mit der Zeit verblassen und die Spuren in die Ewigkeit mitnehmen. Grossen Zuspruch erfuhren Ausstellung - es ist die vierte seit Eröffnung - und Museum übrigens am #hackzurich, wobei die enthusiastischen jungen Besucher/innen schon mal Videospiele aus dem Netz auf den Computer eines der Werke heruntergeladen hätten, wie Co-Direktorin Caroline Hirt sagte. Ein Hack im Museum, sozusagen.

Bis: 28.01.2018


Museum of Digital Art, bis 28.1.; Kibit: Open children's lab jeden zweiten Sonntag



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Qubibi [03.10.17-28.01.18]
Institutionen Museum für Digitale Kunst [Zürich/Schweiz]
Autor/in Thomas Schlup
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