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11.2017




Zürich : Barbara Ellmerer


von: Alice Henkes

  
links: Barbara Ellmerer· Atomjump II (Werkgruppe 7-teilig), 2017, Lack, Silbernitrat, Öl auf Baumwolle, 220x140 cm
rechts: Barbara Ellmerer· Atomjump, 2017 (Werkgruppe 7-teilig), Lack, Silbernitrat, Öl auf Baum­wolle, 220x140 cm


Sie male nicht abstrakt, sagt Barbara Ellmerer (*1956, Meiringen) von sich selbst. Malt sie also gegenständlich? Leicht zu beantworten ist diese Frage nicht. Denn, was bedeutet Gegenständlichkeit, wenn es um eine Malerei geht, die Dinge verhandelt, die möglicherweise gegenständlich sind, aber für das menschliche Auge nicht sichtbar? Ellmerer möchte mit ihrer Malerei unter die sichtbare Oberfläche des Lebendigen dringen. Dies allerdings nicht in einem geistig-psychologischen, sondern eher in einem physikalisch-naturwissenschaftlichen Sinn. Forschen mit dem Pinsel also. Und bisweilen auch mit der Lupe. Seit geraumer Zeit widmet sich die in Zürich lebende Künstlerin der Beschäftigung mit dem, was die Welt im Innern zusammenhält. Ausgangspunkte sind dabei Auseinandersetzungen mit der Natur und mit der Kunst selbst. Angeregt durch die Lektüre des Lehrgedichts ‹De rerum natura› (Über die Natur der Dinge) des römischen Philosophen Lukrez hat Ellmerer eine Serie von Zeichnungen geschaffen, die versuchen, die Welt der Elektronen und Atome, der physikalischen Energie und der kleinsten Teilchen in einer eigenen Bildsprache zu fassen. Dabei ist eine faszinierende Reihe von Blättern entstanden, die sich zwischen kühler Abstrahierung und putzmunterer Narration bewegen und mit unterschiedlichsten Stilmitteln arbeiten. Mal erinnern die Zeichnungen an feine Chinoise­rien, mal an architektonische Skizzen oder auch an wilde Grotesken. Für eine Serie mittelformatiger Gemälde hat Ellmerer sogar zur Lupe gegriffen und sich in kleine Partien eigener Bilder vertieft, die sie stark vergrössert nachgemalt hat. Die weichen, fliessenden Formen auf diesen Gemälden wirken organisch, als schaute man nicht in ein Kunstwerk, sondern einen Körper oder zumindest in pflanzliches Leben hinein. Frappierend ist die verhaltene Farbigkeit: Die Bilder sind in einem blassen Graublau gehalten, das eine kühle Laborstimmung erzeugt und zugleich an kosmische Weite denken lässt. Die Unbestimmtheit des Raums und der Grössenverhältnisse erzeugen eine wohlkalkulierte Verunsicherung. Vor Ellmerers Bildern wird man unweigerlich zur Forscherin, die von Neugier ebenso angetrieben wird wie von Zweifeln.

Bis: 27.01.2018



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Ausgabe 11  2017
Ausstellungen Barbara Ellmerer [17.11.17-12.01.18]
Institutionen Andres Thalmann [Zürich/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Barbara Ellmerer
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