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Besprechung
12.2017


Niklaus Oberholzer :  Kunst rührt immer wieder an Grenzen - der Gattungen, der Möglichkeiten, der Erfahrung, der Existenz, der Geschlechter... Wer an Grenzen rührt, eckt oft an. Vielleicht befreit er auch und führt in Neuland. ‹Yellow Creature› fragt nach diesen Grenzen anhand der Werke von zehn Künstlern/innen.


Luzern : Yellow Creatures - Weder Fisch noch Vogel


  
Klara Kristalova · The Artist as a Dog, 2016, glasiertes Porzellan, 52x24x37 cm, Unikat, Courtesy Galerie Perrotin ©ProLitteris


Fanny Fetzer begegnete in England zufällig dem Werk eines ihr unbekannten Künstlers - des Multitalents, Zeichners, Schriftstellers, Malers Mervyn Peak (1911-1968). 1939 veröffentlichte er ein Buch, in dem er in skurrilen Zeichnungen eine verdreht-geheimnisvolle und doppelbödige Geschichte um einen Seeräuber-Kapitän erzählt, der einem gelben Wesen begegnet, oszillierend zwischen Mensch und Tier, fremd auf jeden Fall, pendelnd zwischen Identitäten, einmal so, einmal anders, aber stets liebenswürdig und liebenswert. Die Luzerner Museumsdirektorin verliebte sich in das Wesen und wollte es zu Hause zeigen - nicht allein, sondern mit einer Art Familie (wenigstens halbwegs) Gleichgesinnter. Entstanden ist so der Ausstellungs-Essay ‹Yellow Creature›, der nicht auf streng rationalem Konzept beruht, sondern eher auf spontanen und persönlichen Entscheiden der Kuratorin. Das führt zu einer nicht durchwegs stringenten, aber in mehreren Richtungen offenen und durchlässigen Schau, welche die Besucherinnen und Besucher mit Grenzgängerischem, mit wechselvollem Umgang mit Identitätsformen, mit Erfahrungen des Fremd-Seins, mit Transformationen dieser und jener Art ganz unterschiedlich fordert oder unterhält - oder auch mal erschrecken mag.
Mervyn Peaks Zeichnungen nehmen die Wände eines zentralen Museumsraums ein. Darum herum sind neun weitere künstlerische Positionen in abwechslungsreicher Folge gruppiert. Die Vielfalt ist gross. Manches geht unter die Haut wie Mika Rottenbergs Video ‹NoNoseKnows›, das auf geradezu hinterhältige Art Dokumentation mit Fiktion zum Thema Ausnützen der Körperkraft im Zusammenhang mit der Perlenproduktion in China mischt, oder wie die Installation ‹The Fortune Teller› von Chiarenza/Hauser, in der sich die Besuchenden in einer Gefängnis-Situation finden. Anderes ist hoch reflektiert inszeniert und komplex wie John Akomfrahs grosse Video-Installation ‹The Unfinished Conversation›, die, ausgehend vom aus Jamaika stammenden Kulturtheoretiker Stuart Hall, von sich mehrfach überlagernden Minderheits- und Ausschliessungs-Erfahrungen handelt. Wieder anderes wirkt auf den ersten Blick spielerisch-heiter, auf den zweiten aber doch intrigierend wie die glasierten Tonfiguren von Klara Kirstalova (darunter eine Skulptur ‹Selbstporträt als Hund›). Visuellen Genuss bereitet Klodin Erbs zwischen Malerei, Animationsfilm, Performance und zu hübscher Selbstironie neigende grosse Videoarbeit. Weiter Namen: Sabian Baumann, Neïl Beloufa, Lia Garcia, Isabella Rosellini.

Bis: 07.01.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Yellow Creature [28.10.17-07.01.18]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
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