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Besprechung
12.2017


Ursula Meier :  Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des Genfer Musée Barbier-Mueller würdigt das Kunstmuseum Solothurn den Sammler und hauseigenen Konservator Josef Müller mit einer beachtlichen Schau. Dabei werden Brücken geschlagen von Figuren aus Afrika, Jemen, Polynesien und Mexiko bis in die Moderne.


Solothurn : Josef Müller - Hommage an einen pionierhaften Vermittler


  
D'mba · Schultermaske, Guinea, aus der Simo-Kultur der Baga, 19. Jahrhundert, Holz mit Kupfer­nägelornamenten und französischen Münzen, 135 cm, Musée Barbier-Mueller, ehemals Sammlung Josef Müller, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Solothurn. Foto: Til Frentzel


Pablo Picasso begab sich mit seinem Schlüsselwerk ‹Les Demoiselles d'Avignon›, 1907, auf die Suche nach einer konkreten Formensprache. Es zeigt Gesichter, die Masken nachgebildet sind. Auch Josef Müller (1887-1977), als Konservator der Kunstabteilung mit dem Kunstmuseum Solothurn verbunden, entdeckte zeitgleich seine ersten Figuren der Art primitivs auf dem legendären Flohmarkt an der Porte de Clignancourt in Paris. Die Hommage an Josef Müller zeugt von seiner immensen Sammlerlust an Stammeskunst und führt gleichzeitig das Phänomen des Primitivismus in seiner Vielfalt vor Augen.
Beim Betreten des ersten Saals zieht die weibliche Fruchtbarkeitsritualmaske D'mba Blicke auf sich. Sie ist mit Kupfernägeln und französischen Münzen bestückt und verweist auf den Kolonialismus. Die schwere Kopfmaske steht unter dem frontalen Blick zweier männlicher Büsten aus dem Jemen und einer aztekischen Göttin. Dem Publikum eröffnet sich eine Rundumsicht auf selten ausgestellte Gemälde mit primitiven Motiven. Die wenig anerkannten Künstler Auguste Chabaud und George Bouche zeigen pastös aufgetragene Porträts von Landarbeitern, alten Menschen und Kindern in Südfrankreich, deren Materialität über die zweidimensionale Dimension hinauswächst; der Schweizer Hans Berger widmet sich dem Motiv der Mutterliebe und Georges Rouault schliesslich der Sakralisierung im Gemälde ‹Christus›, 1930.
Im zweiten Saal wird die Vorliebe Müllers für französische Künstler wie Henri Matisse und Pierre-Auguste Renoir deutlich. Daneben stossen wir auch auf kubistische Bilder von Fernand Léger und Roger de la Fresnaye. Es wird offensichtlich, dass diese Kubisten auf schlichte abstrakte Formen und ihre Beziehungen zueinander referieren. Im Ölgemälde ‹Les trois figures› orientiert sich Léger mehr am Ikonenhaften der afrikanischen Kunst und integriert die primitive Kunstauffassung.
Eine zentrale Vitrine mit diversen Dokumenten mutet wie eine Wunderkammer an: Sammlungslisten, Künstlerpostkarten, Abbildungen vom Atelier in Paris, von eigens kuratierten Ausstellungen in Solothurn sowie Aufnahmen der Wohnräume Müllers in der Schanzmühle, in der formalästhetische Aspekte exotischer und hiesiger Kunst ins Auge springen. Die Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn überzeugt durch ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Kulturen, die - in der Figuration verbunden- den befruchtenden, in Kunstmuseen notwendigen Dialog aufnehmen.

Bis: 04.02.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Hommage an Josef Müller (1887-1977) [02.09.17-04.02.18]
Institutionen Kunstmuseum Solothurn [Solothurn/Schweiz]
Autor/in Ursula Meier
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