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Besprechung
12.2017


Iris Kretzschmar :   Der Maler Thomas Ritz wurde soeben mit dem Kunstpreis der Keller Wedekind-Stiftung prämiert. In seinen aktuell in der Galerie Fabian & Claude Walter gezeigten Werken verbindet er das fotografische Abbild mit dem Blick nach innen - oszillierende Realitätsebenen entstehen, die unfassbar bleiben.


Zürich : Thomas Ritz - Brüchige Bildwelten


  
Thomas Ritz · o.T., 2016, Pigment Acrylharz auf Leinwand


Rätselhaft sind diese Bildszenarien. Mensch und Tier scheinen aus einem Dämmerschlaf zu erwachen und sich tastend in unwirtlichen Räumen zurechtzufinden: Körper zwischen Auflösung und Gestaltwerdung, Hände, die nach dem Nichts greifen, blinde Augen und ausgelöschte Gesichter. Ob sie im Moment der Schöpfung oder des Untergangs begriffen sind, bleibt offen. Ausgeprägte Licht- und Schattenspiele durchziehen die stillen Naturräume, die meist in horizontaler Schichtung aufgebaut sind. Ein kühles Kolorit dominiert - Blaugrau, Grün, wenig warmer Ocker, Schwarz und Weiss. Die Kontinuität des Bildraums ist aufgebrochen und die Perspektive ausser Kraft gesetzt. Mit quasi filmischen Strategien wie harten Schnitten, weichen Übergängen, Zoom und Totale verbindet der Maler Thomas Ritz (*1966 Basel) unterschiedlichste Erscheinungsformen und Zeitlichkeiten in einem Bild: Erinnerung emulgiert er mit Gegenwart, eine Katastrophe mit dem Alltag. Während sich Greifbares und Unbestimmtes die Hand geben, gefriert der Moment zur Ewigkeit. Solche Ambivalenz zeigt sich nicht nur motivisch, sondern auch im Einsatz der malerischen Mittel. Feinste Illusionsmalerei geht nahtlos in gestische Abstraktion über und vordergründig Erkennbares verliert sich im Farbraum. Jede Spur kann zum neuen Anfang mutieren. Ritz arbeitet sowohl in Öl als auch mit in Wasser gelösten, flüchtigen Pigmenten, womit er die die ephemere Erscheinung seiner Werke unterstreicht.
Ritz ist ein unaufhörlich Suchender. Jedes neue Bild ist für ihn wie ein erstes - und keines ein befriedigendes Äquivalent der angestrebten Vision. Seine Werke tragen Widersprüchliches in sich. Was ist real und wie könnte demnach ein Bild aussehen? Diese Fragen sind der schöpferische Antrieb des Malers. Er reagiert auf den Bilderstrom der Medien, glaubt aber nicht an die trügerischen Versprechen der Fotografie, Wirklichkeit abzubilden. Das Lichtbild ist für ihn nur ein Auslöser für den Malprozess und dies auch nur dann, wenn es mit einer inneren Gestimmtheit korreliert. Es muss das gewisse Etwas haben, wie das Punktum bei Roland Barthes. Etwas Verborgenes, das Ritz mit Malerei aufspüren möchte: «Ich sammle Sichtbarkeiten und daraus werden Bilder.» Die Leinwand wandelt sich zur Membran, wo sich Innen- und Aussenwelt begegnen und zu einer neuen visuellen Realität verschmelzen. Im Malprozess erlangt der Künstler Erkenntnis über eine sich ständig wandelnde, instabile Wirklichkeit - und wir erfahren ein Fremdsein in dieser Welt des Umbruchs.

Bis: 25.11.2017



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen KWS Kunstpreis 2017 an Thomas Ritz [03.11.17-25.11.17]
Institutionen Fabian & Claude Walter [Zürich/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
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