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Besprechung
12.2017


Aoife Rosenmeyer :  This Brunner ist ein «geborener Filmfreak», Wolf Wondratschek Rebell-Schriftsteller. Ihre Schau ‹Eleven Calendar Girls and a Cowboy› kreist um Rollen sowie um Realität und Fiktion. Ihr Kalender fängt im Januar mit Jayne Mansfield an und führt über John Wayne zum Dezember-Girl Diana Dors.


Zürich : Eleven Calendar Girls and a Cowboy - Diven


  
Matthias Brunner / Wolf Wondratschek · Diana Dors, December, 2017, aus: Eleven Calendar Girls and a Cowboy, Ausstellungs­ansicht Galerie Bernhard Zürich ©ProLitteris. Foto: Gina Folly


Zwölf Bildschirme bespielen die neuen Räumlichkeiten der Galerie Bernhard. Auf jedem ist eine Videocollage zu sehen, welche die jeweilige Filmikone in ihrer Hauptrolle zeigt. Begleitet werden die Videos jeweils von einem einseitigen Text von Wolf Wondratschek mit eigenen Beobachtungen sowie Berichten anderer Personen. Die Videos mixen nur wenige Quellen, dazu läuft eine asynchrone Tonspur- nur selten ist der Dialog der Darsteller noch zu verstehen. So u.a. bei Ava Gardner, die in der Rolle der Schauspielerin Maria Vargas in ‹Die barfüssige Gräfin› die Unterschiede zwischen ihrem gelebten und gespielten Leben erläutert, während sich männliche Stimmen aus dem Off über die weiblichen Objekte der Begierde auslassen.
«Sie war keine Frau, die Gespräche führt, keine, deren Fuss beim Gehen den Boden berührt», schreibt Wondratschek in Bezug auf Ingrid Caven - die Chanteuse, deren Film ‹Heute Nacht oder nie› von This Brunner koproduziert wurde. Ihr Partner Jean-Jacques Schuhl hat 2000 einen preisgekrönten, nach ihr benannten Roman veröffentlicht. Die Porträtierten sind Wondratscheks Betrachtung ausgeliefert, das ist nicht immer schmeichelhaft. Doch es kann genauso beleidigend sein, wenn der Star selbst - durch Wondratschek - zu Sprache kommt: «Ich wäre, wie es gute Männer mögen, gerne dick», sagt Diana Dors, während die Filmbilder die junge Schauspielerin und dann die plumpe Dame zeigen, die beim 1970 gedrehten Film ‹Deep End› versucht, einen Jugendlichen in einem Hallenbad zu verführen. Marion Mitchell Morrison - alias John Wayne - wird als mutiger, aber emotional unfähiger «Mann von gestern» mit fragwürdigen politischen Ansichten entlarvt, dessen Attitüden leider aktuell eine Renaissance geniessen. So vergleichen in ‹Red River› zwei Cowboys zuerst ihre Pistolen und dann diese mit Schweizer Uhren. Wirklich schmerzlich wird es bei Silvana Mangano, wenn Szenen von Pier Paolo Pasolinis ‹Teorema› so zusammengeschnitten werden, dass sie als Gefangene ihrer entsetzlichen Rolle erscheint. Man wünschte ihr, dass ihr Fuss beim Gehen - anders als bei Caven - den Boden berührt.
Die den Starkult zerlegenden Text-Bild-Collagen von Brunner und Wondratschek sind in vielerlei Hinsicht dem Leben abgerungen. Die Berühmtheiten sind gleichzeitig bekannt und unbekannt, eingesperrt in ihrer Welt. Und wer schreibt die Geschichte? «Von was verstehen Männer eigentlich was, frage ich mich», meint Diana Dors - und das gilt auch für die Autoren. Aber sie haben schlussendlich ihre Rollen in dieser Inszenierung gewählt und wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Bis: 15.12.2017



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Matthias Brunner, Wolf Wondratschek [12.10.17-15.12.17]
Institutionen Galerie Bernhard [Zürich/Schweiz]
Autor/in Aoife Rosenmeyer
Künstler/in Matthias Brunner
Künstler/in Wolf Wondratschek
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