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Besprechung
12.2017


Dominique von Burg :  Das Museum Haus Konstruktiv lässt die Grande Dame der geometrisch-abstrakten Kunst, Aurélie Nemours, auf Julije Knifer, einen der bedeutendsten kroatischen Künstler seiner Zeit, treffen. Anhand von zahlreichen Arbeiten wird in zwei Einzelausstellungen ihre geistige Verwandtschaft beleuchtet.


Zürich : Julije Knifer und Aurélie Nemours - Letzte und erste Bilder


  
links: Julije Knifer · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2017, Courtesy Estate Julije Knifer, Zagreb ©ProLitteris. Foto: Stefan Altenburger
rechts: Aurélie Nemours · Ausstellungsaufnahme Haus Konstruktiv Zürich, 2017. Foto: Stefan Altenburger


Eine neunzigteilige, zwischen 1949 und 1952 entstandene Selbstporträtserie von Julije Knifer (1924, Osijek - 2004, Paris) bildet einen für das Haus Konstruktiv ungewöhnlichen figurativen Auftakt. Die Gesichter wirken neutral, ohne den geringsten emotionalen Ausdruck. In der Aneinanderreihung gleicher Gesichtszüge ging es Knifer nicht um eine rhythmisierte Serie von Selbstporträts, sondern um Monotonie. Darin ist das Mäandermotiv bereits angelegt, das der Künstler 1960 aufgriff und ab dann ausschliesslich verwendete. Mit ihm gestaltete er Skulpturen, Reliefs, Collagen und grossformatige Wandarbeiten im Innen- und Aussenraum sowie Künstler- und Tagebücher. Diese bezeichnete er als «Anti-Diaries». In einer meist auf Schwarz-Weiss reduzierten Farbpalette des Mäandermotivs erkannte er die ideale Form für seine «Anti-Malerei». In dieser Negation ist eine dadaistische Neigung zur Absurdität zu erkennen, welche auch die Künstlergruppe ‹Gorgona› charakterisierte, die Knifer 1959 in Zagreb mitbegründete und die bis 1966 aktiv war. Die Mitglieder dieser Gruppe traten für die absolute Autonomie der Kunst ein und suchten den Austausch mit internationalen Avantgarden. Der sich potenziell endlos fortsetzende Mäander wird zum Zeichen einer transzendenten Bedeutung.
Auch Aurélie Nemours (1910-2005, Paris) wurde durch eine stete Suche nach dem Absoluten und einer idealen Annäherung an die universelle Harmonie angetrieben. Vergleichbar mit Knifer entwickelte die Künstlerin ihr Leben lang ein eigenes plastisches Vokabular, das sich auf die Horizontale, die Linie, die Vertikale, den rechten Winkel, das Kreuz und das Quadrat beschränkte. In den in Pastellkreide gehaltenen, intuitiv entstandenen Werken strebte Nemours nach einer abstrakten, von allem Psychologischen und Gefälligen bereinigten Malerei. Nach Studien in der Akademie von André Lhote und im Atelier von Fernand Léger schuf sie in den Fünfzigerjahren mit strengen, zwischen Grau und Schwarz changierenden ‹Demeures› unzählige Variationen ihres plastischen Vokabulars. In der folgenden Serie ‹Au commencement› durchziehen weisse Strahlen den tiefschwarzen Bildraum. Noch asketischer wirkt die Reihe ‹Rythme du millimètre›, mit der sie in den Achtzigern allmählich bekannt wird. Mit ihrem Tun hat Aurélie Nemours die «Wahrheit dieser Welt» gesucht, und sie war überzeugt, dass «diese nicht in subjektiv gefärbten Erzählungen zu finden sei, sondern einzig in der Farbe und der geometrischen Form».

Bis: 14.01.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Julije Knifer, Aurélie Nemours [26.10.17-14.01.18]
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Julije Knifer
Künstler/in Aurélie Nemours
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