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12.2017




Basel : Paul Klee


von: Yvonne Ziegler

  
links: Paul Klee · Fuge in rot, 1921, 69, Aquarell und Bleistift auf Papier auf Karton, 24,4x31,5 cm, Depositum im Zentrum Paul Klee, Bern
rechts: Paul Klee · Le rouge et le noir, 1938, 319, ­Ölfarbe und Aquarell auf Gipsgrundierung auf Jute auf Holz; originale Rahmenleisten, 32,5x63 cm, Kunst- und Museumsverein Wuppertal. Foto: Antje Zeis-Loi


In einer sehenswerten Ausstellung widmet sich die Fondation Beyeler Paul Klees jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit der Abstraktion. Bei der Betrachtung der einzelnen Sektionen wird schnell klar, dass es Klee weniger darum ging, ungegenständliche Werke zu schaffen als vielmehr das Potenzial der Abstraktion für seine Fragestellungen und Bildfindungen zu nutzen. Bereits in der Münchner Frühphase entstanden kleine Gemälde, in denen rasternde Liniensetzungen Bildflächen kreieren, die durch unterschiedliche Farbtönung eine Garten- oder Stadtansicht im abstrahierten Sinn schaffen. Die eher flächig gearbeiteten Bilder verwerfen die Gesetze der Zentralperspektive, deuten durch einfache Formfragmente Inhalte an und verdichten sich zu einer Idee von Landschaft, Wachstum oder Klang. Die Kenntnis des Kubismus', des Bild als Bild schaffenden und durch Farbtöne Bewegung hervorrufenden Orphismus' Delaunays sowie der freien Farb- und Raumauffassung von Matisse führten schon früh zu einer eigenen Klee'schen Bildsprache. Die grundsätzliche Setzung von Linien, denen Farbfelder folgen oder die in Form von «kryptischen Zeichen» durch Farbe ein Figur-Hintergrund-Spiel entstehen lassen, wird nur selten unterlassen. Ende der Zwanzigerjahre setzte sich Klee mit den russischen Konstruktivist/innen auseinander und so entstand beispielsweise auf hellem Grund die Komposition eines roten und schwarzen Kreises, die in weich bewegter Spannung stehen. Inspiriert von den frühchristlich-byzantinischen Mosaiken in Ravenna und von Reisen nach Ägypten entwickelte Klee etwa zeitgleich eine weitere Rastermethode: Diese Bilder sind aus dicht nebeneinander gesetzten, im Farbton leicht unterschiedlichen Strichen aufgebaut, aus denen sich die Andeutung einer Küstenlandschaft herausschält, oder - abstrakter gesehen - ein Meer von auf dem Wasser tanzenden Lichtpunkten entsteht. Den Strichbildern gehen Werkgruppen voraus, welche die systematische Erforschung der Bildgenerierung durch Linie und Farbe der Bauhausjahre verdeutlichen: In den sogenannten Schicht­aquarellen schälen sich durch Linien und in ihrer Helligkeit gestufte Farbtöne nicht nur Architekturformen heraus, zudem wachsen Pflanzen empor oder bewegen sich Fische durch dunkles Wasser. Klees Verständnis von Kunst als natura naturans wird hierin ebenso offenbar wie der musikalische Aufbau seiner von Wiederholungen, Harmonien und Variationen durchwirkten Bilder.

Bis: 21.01.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Paul Klee [01.10.17-21.01.18]
Institutionen Fondation Beyeler [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Paul Klee
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