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12.2017




Basel : huber.huber


von: Deborah Keller

  
huber.huber · Save Our Souls, 2017, Ausstellungsansicht Helvetia Art Foyer Basel. Foto: Viktor Kolibàl, Basel


Überall schillert es in den Farben des Regenbogens, es spiegelt und glänzt, und vor dem Fenster wehen sachte luftige Stoffe. Die Einzelausstellung von huber.huber im Helvetia Art Foyer erscheint optisch äusserst reizvoll. Allerdings ist der Titel der Schau ‹Save Our Souls› vom internationalen Notrufsignal SOS abgeleitet. Damit ist das thematische Spektrum bereits angedeutet, das die Zwillingsbrüder Markus und Reto Huber (*1975, Münsterlingen) - passend für die Präsentation bei einer Versicherung - auffächern: Es geht um die Nöte der Menschen und um ihre Hoffnung auf Hilfe in dieser Not.
So stimmen die attraktiv anmutenden Exponate bald nachdenklich: Die Zeltkonstruktion in der Mitte des Raums, die aus imposanten, zartbunten Kirchenfenstern gebildet ist, heisst ‹Shelter›. Doch wie viel Schutz kann ein gläsernes - oder ein geistiges - Haus im Ernstfall wirklich bieten? Die rettende Kraft des Glaubens befragt auch eine neue Lithographie: Hoffnungsversprechende, regenbogenfarbene Reflexe scheinen, je nach Lichteinfall, vor der Meeresoberfläche auf, die in unergründlichem Tiefschwarz abgebildet ist. Das Blatt ist mit ‹Stella Maris› so benannt, wie die Seeleute seit jeher die Jungfrau Maria als Schutzpatronin anrufen.
Daneben sind silbrig schimmernde Isolationsmatten für Autoscheiben und ein Blitzableiter als weltlich praktische Einrichtungen gegen die Unbill der Natur im Raum präsent. Erstere bringen in der Fotoserie ‹the world will be hotter› mit denkwürdigem Unterton einen Hauch von Disco-Feeling in die Ausstellung, letzterer sorgt - hat man das Prinzip einmal verstanden - für augenscheinliche Brutalität: An beiden Enden einer Aluminiumstange steckt nämlich je eine Blitzfangspitze, womit die schützend entschärfende Funktion der Vorrichtung in ihr Gegenteil verkehrt wird. Zwischen all dem erscheint in dreifacher Variation der Schmetterling, der im Werk von huber.huber leitmotivisch auftaucht und darin als traditionelle Metapher für die Auferstehung fungiert.
Diese und weitere Objekte der Ausstellung entfalten sowohl visuell als auch inhaltlich ein sorgfältig gespanntes Netz von Bezügen, das, wie oft bei huber.huber, das Spannungsfeld zwischen Zivilisation und Natur einfängt. Sinnig und subtil sind mögliche Gefahren angedeutet, die der Menschheit drohen, sowie verschiedene Lösungsstrategien, mit welchen Wissenschaft, Glaube und Aberglaube dagegen Hand bieten.

Bis: 19.01.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen huber.huber [07.09.17-18.01.18]
Institutionen Helvetia Art Foyer [Basel/Schweiz]
Autor/in Deborah Keller
Künstler/in huber.huber
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