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12.2017




Berlin : Kriegsfotografinnen 1914-1945


von: Miriam Wiesel

  
links: Anonym · Mairi Chisholm und Elsie Knocker mit Stahlhelmen, während sie ihre Kameras kontrollieren, vermutlich in Pervijze, Belgien, 1917 Courtesy Imperial War Museum
rechts: Olga Lander · Veranstaltungen im Rahmen der Truppenbetreuung für die 36. Panzerbrigade, 3. Ukrainische Front, Bahnhof Rasdelnaja, vermutlich August 1944, Courtesy Zentrales Museum der Streitkräfte, Moskau


Müssig zu fragen, ob es einen weiblichen Blick auf den Krieg gibt. Und «weiblichen Geschlechts zu sein bedeutet nicht zwangsläufig, Pazifistin zu sein», wie es im PR-Text heisst. Die Ausstellung ‹Kriegsfotografinnen in Europa 1914-1945. Kriegsalltag und Abenteuerlust› zeigt, wie Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eine Männerdomäne eindringen, lange bevor es Wahlrecht für alle gibt.
Krieg bringt es mit sich, dass Grenzen als temporär gedacht werden können. Nicht intendiert, aber quasi im Huckepack geschieht die Aufweichung von Geschlechtergrenzen. Dem Kriegszustand geschuldet, übernehmen Frauen die Rollen der Männer, die an die Front abkommandiert worden sind, und leisten ihren Einsatz an der Heimatfront. Nicht allen genügt das. So zieht die Österreicherin Alice Schalek (1874-1956), die sich als Bergsteigerin hervorgetan hat, im Ersten Weltkrieg als akkreditierte Kriegsfotografin an die österreichisch-ungarische Grenze. Und schafft eindrückliche Bilder der Isonzoschlachten vor der Kulisse der Julischen Alpen. Hat Karl Kraus noch gegen die Kriegsbegeisterung einer Schalek opponiert, ruft der Tod der jungen Gerda Taro (1910-1937), die im Spanischen Bürgerkrieg umkommt, weithin Trauer und Anteilnahme hervor. Die Partnerin von Robert Capa hat den Kampf gegen den Faschismus aus nächster Nähe dokumentiert und, wie mancher Kollege, auch zu einer Idealisierung von «Freiheitskämpfern» beigetragen. Andere tun Dienst in Lazaretten und zeigen ein weniger heroisches Bild bspw. die Krankenschwestern Elsie Knocker, Mairi Chisholm oder Florence Farmborough. Die vielen Facetten des Kriegsalltags, darunter Truppenbelustigungen (Olga Lander) und Zerstörungen - (Eva Besnyö, ‹Rotterdam, Juli 1940›), werden von Berufs- wie Amateurfotografinnen dokumentiert. Manchmal im Dienste des Staates, manchmal als Anklage formuliert.
Sie könne das kollektive Gedächtnis mitprägen, sagte die 2014 verstorbene Kriegsfotografin Anja Niedringhaus in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung». Was die 16 im Verborgenen Museum gezeigten Fotografinnen, die zu ihrer Zeit Pionierinnen waren, geleitet hat, weiss man nicht. Heute, heisst es, berichten mehr Frauen als Männer aus Kriegsgebieten.

Bis: 11.02.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Kriegsfotografinnen in Europa 1914-1945 [28.09.17-11.02.18]
Institutionen Das verborgene Museum [Berlin/Deutschland]
Autor/in Miriam Wiesel
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