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12.2017




Bonn/Wien : Ferdinand Hodler


von: Sabine Elsa Müller

  
links: Ferdinand Hodler · Selbstbildnis, Februar 1912, Öl auf Leinwand, 38,5x29,5 cm Kunstmuseum Basel, Vermächtnis Max Geldner, Basel. Foto: Martin P. Bühler
rechts: Ferdinand Hodler · Blick ins Unendliche, Kopfstudie, 1914, Courtesy Bundeskunsthalle Bonn. Foto: Peter Schälchli


2018 ist das Jahr des 100. Todestags von Ferdinand Hodler (1853-1918). Gleich zwei grosse Museen, das Leopold Museum Wien und die Bundeskunsthalle Bonn, richten dem Schweizer Symbolisten umfangreiche Ausstellungen aus, die gemeinsam reichlich Anlass zur Wiederentdeckung bieten. Erstaunlicherweise verläuft die Annäherung in beiden Fällen über die Rezeptionsgeschichte.
Wie stark der Erfolg Ferdinand Hodlers schon zu Lebzeiten mit seiner Rezeption verbunden war und wie sehr er dies praktisch von Anfang an tatkräftig unterstützte, das lässt sich in Bonn (Kuratorinnen Monika Brunner und Angelica Francke) nicht nur anhand der ausführlichen Saaltexte studieren. Die nach hinten in die Höhe gestaffelte Ausstellungsarchitektur wirkt an sich schon wie eine Hommage an dieses grosse Talent der Selbstinszenierung. Dasselbe bei den Kapitelüberschriften: Von den auf grauen Wänden präsentierten «Lehrjahren» gelingt über «Fortkommen», «Internationale Erfolge» und seinem Markenzeichen, der «Monumentalität», in wunderbarer Gradlinigkeit die triumphale Emanation als «Maler der frühen Moderne» - bevor nach einem kurzen Zeichnungen-Intermezzo die Ausstellung mit dem tragischen «Der Fall Hodler» endet. In der Tat ist Hodlers Werdegang vom früh verwaisten Kind aus armen Verhältnissen zum Malerfürsten verblüffend, doch fragt man sich, ob diese starke Betonung seines Selbstvermarktungsgeschicks die Bedeutung der künstlerischen Leistung nicht etwas unangenehm relativiert. Immerhin wird deutlich, dass das eine ohne das andere kaum gelingen kann. Zeigt doch gerade «Der Fall Hod­ler» wie eine noch so glänzende Karriere durch unbotmässiges Verhalten ein jähes Ende finden kann: Hodler hatte 1914 gemeinsam mit 120 Genfer Intellektuellen und Künstlern den «Genfer Protest» unterschrieben, der sich gegen die Beschiessung der Kathedrale von Reims durch deutsche Truppen wandte. Daraufhin verlor er die Unterstützung vieler deutscher Sammler, Museumsdirektoren und Galeristen, die ihn vorher gross gemacht hatten.
Zehn Jahre zuvor hatte die Wiener Secession 31 Werke Hodlers als unanfechtbaren Mittelpunkt ihrer Jahresausstellung inszeniert und ihm damit den Durchbruch ermöglicht. Das Leopold Museum Wien gedenkt dieser legendären Ausstellung mit etwa hundert Gemälden und ca. fünfzig Zeichnungen - ebenso umfangreich wie die zeitgleiche Bonner Präsentation. Da erweist es sich doch als günstig, dass Hodler von vielen Arbeiten mehrere Versionen anfertigte.

Bis: 28.01.2018


Katalog Verlag Walther König



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Ferdinand Hodler [13.10.17-22.01.18]
Ausstellungen Ferdinand Hodler [08.09.17-28.01.18]
Institutionen Leopold Museum [Wien/Österreich]
Institutionen Bundeskunsthalle [Bonn/Deutschland]
Autor/in Sabine Elsa Müller
Künstler/in Ferdinand Hodler
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