Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
12.2017




Brugg : Pat Noser, Paul Takács


von: Feli Schindler

  
links: Pat Noser · Rosen auf Caput Mortuum, 2016, Öl auf Leinwand
rechts: Paul Takács · Katze, 2017, Videostill


So wandelbar wie in den letzten Wochen war das Zimmermannhaus Brugg schon lange nicht mehr. Eben versetzte Nici Jost dem Erdgeschoss einen Schuss Pink und schon folgt die zweite Überraschung mit Paul Takács (*1974), dem Nussbaumer Künstler und Preisträger der letzten Jahresausstellung im Aargauer Kunsthaus. Schneeweisser Pappkarton, millimetergenau auf dem alten Klinkerboden verlegt, lädt zum Abschreiten des Raums ein und hinterlegt Fussspuren und Geschichten. Hier lässt sich am Ende vieles ablesen: Wer besucht diesen Ort der Kunst? Wird er überhaupt frequentiert? Sind es grosse oder kleine Menschen? Vor welchen Exponaten verharren sie mehrheitlich, wo nicht? Etwa vor dem Video, auf dem sich eine kleine Gestalt eine Wolldecke mit abgebildeter Katze über den Kopf stülpt und mit feinen Bewegungen dem Büsi Leben einhaucht? Es zittert der Schnurrbart und es schnuppert das Näschen - so schlicht die Idee und doch so einnehmend. Der Loop ist eine charmante Abwechslung in der wunderbaren, konstruktiv angelegten Installation des Künstlers. Pappkartons verdecken die Fenster, als wäre es ein sakraler Raum. Dreissig schemenhafte Porträts, bemalt mit dunkler Schuhwichse, bergen unbekannte Gesichter oder gar das Antlitz des Künstlers selbst. Und eine rätselhafte, auf hundert gefaltete Notizpapiere gesprayte Bildserie erinnert an Röntgenaufnahmen oder an diffuse Fotogramme. Sie verweisen auf eine Spurensuche, die nur bruchstückhaft erfassbar bleibt. Formlose Objekte auf Stelen schmücken wie Mahnmale die formschöne Gedenkstätte.
Auf Erinnerungen basieren auch die Gemälde der in Aarau geborenen und in Biel lebenden Pat Noser (*1960, Aarau). Ihre Gemälde referieren auf das kollektive Gedächtnis. Die Künstlerin bedient sich verschiedener Bilder aus den Printmedien, aus dem Internet und aus dem eigenen Archiv. Im Obergeschoss serviert sie schwerere Kost: Abgemagerte afrikanische Kinder hinter Gittern, Berge von Leichen, Kriegspanzer in goldenen Rahmen oder Menschen, die nackt in Reih und Glied auf ihre Vernichtung warten, erinnern an die düsteren Kapitel der Weltgeschichte. Wolken hängen neben Rosen, die offenbar einst einen Toten schmückten. Dazwischen appliziert die Künstlerin dürre Pflanzen oder waffenschwingende Affen auf die Wände. Ein Bilderbogen fataler Ereignisse.

Bis: 10.12.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Pat Noser, Paul Takács [28.10.17-10.12.17]
Institutionen Zimmermannhaus [Brugg/Schweiz]
Autor/in Feli Schindler
Künstler/in Pat Noser
Künstler/in Paul Takács
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1711262257137VH-34
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.