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12.2017




Linz : Sterne


von: Patricia Grzonka

  
links: Kiki Smith · Sky, 2011, Courtesy Pace Gallery und Magnolia Editions. Foto: Kerry Ryan McFate
rechts: Nives Widauer · Constellations II, 2010/2017 ©ProLitteris


Jede Zeit hat ihre eigenen Sternbilder: In der Romantik ist es der einsame Mensch am Meer, der uns unter einem weiten Sternenhimmel stehend den Rücken zuwendet. Im Surrealismus herrscht Skepsis gegenüber den Naturgesetzen, die mit eigenen Gesetzen dekonstruiert werden sollen (Max Ernst). In den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts ermöglichen neue mediale Techniken, den Sternenhimmel fotografisch festzuhalten (Thomas Ruff, Angela Bulloch) und heute haben glamouröse Stars das vergehende Licht der Sterne ersetzt (Mohammed Qasim Ashfaq, Iv Toshains). Das Bild der Sterne in der bildenden Kunst wirft auch ein Licht auf die Ängste und Sehnsüchte einer Gesellschaft (Johanna Kandl, Alicja Kwade).
Besonders faszinierend in dieser Hinsicht sind die Nachtbilder der 1920er- und 30er-Jahre (Clemens Brosch, Arnold Schönberg, Alfons Walde). Sie zeigen Strassenszenen aus einem städtischen Alltag, Menschen in Cafés, vorwärts hastend auf Strassen, die hell erleuchtet sind vom bleichen künstlichen Licht elektrischer Beleuchtung (Albert Birkle). Der poetische Nachthimmel ist dem ewigen Licht der elektrifizierten Grossstädte gewichen. Die Ausstellung ‹Kosmische Kunst von 1900 bis heute› ist in sieben Kapitel gegliedert, deren Bogen von Romantik bis Erhabenheit, von Bedrohung bis Leitstern reicht.
Haben Künstler seit jeher ein feines Gespür dafür gehabt, wie sich unsere Anschauungen der Himmelskörper verändern (Franz Sedlacek, Imi Knoebel), so erheben sich heute auch vermehrt kritische Stimmen gegen Elektrosmog und Lichtverschmutzung. Thierry Cohens manipulierte Fotografien von Metropolen wie Paris oder Shanghai zeigen dunkle Städte mit einem blinkenden Sternenhimmel - nichts scheint weiter von der trüben Realität dieser Städte entfernt.
Zu diskontinuierlichen Darstellungsverfahren fordern hingegen auch die Sterne heraus. Gerade ihre Erhabenheit, ihre kosmische Dimension verleiten Künstlerinnen und Künstler zu medialen Gegenentwürfen. Mit dem Pinsel oder gar dem Finger flüchtige Sternenbilder einfangen (Gerhard Richter), die noch dazu ein fotografisches Abbild simulieren (Ugo Rondinone), ist eine solche Methode. Eine andere sind Nives Widauers mit Spitzen- und Häkeldeckchen ummantelte Fotos von Himmelskörpern, die Nahes und weit Entferntes wie surreales Ying und Yang behandeln. Die Ausstellung gibt mit rund 130 Werken einen stimmungsvollen und bisweilen nachdenklich stimmenden Einblick in ein vermeintlich bekanntes Thema.

Bis: 14.01.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Sterne. Kosmische Kunst von 1900 bis heute [29.09.17-14.01.18]
Institutionen Lentos Kunstmuseum [Linz/Österreich]
Autor/in Patricia Grzonka
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