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12.2017




Meran : Lorenzo Scotto di Luzio


von: Karlheinz Pichler

  
links: Lorenzo Scotto di Luzio · Spartifila, 2017, verschiedene Materialien, Installationsansicht (Ausschnitt)
rechts: Lorenzo Scotto di Luzio · Benino, 2017, Holzkohle auf Papier


Die Werke des seit zehn Jahren in Berlin lebenden italienischen Künstlers Lorenzo Scotto die Luzio (*1972) sind als ironische, spöttische, skurile, mitunter auch sehr poetische und tragikomische Kommentare zu den alltäglichen gesellschaftlichen Abläufen zu lesen. Mit oft einfachsten, kargen, beiläufigen Materialien, die er aus dem ursprünglichen Zusammenhang herausreisst, schafft der aufmerksame Beobachter sozialer Prozesse kuriose Objekte und verweist damit auf die typischen grossen und kleinen Schwächen des Homo sapiens.
Erster Blickfang in seiner von Christiane Rekade kuratierten Ausstellung ‹In bocca a te ogni cosa muore› (Alles, was du in den Mund nimmst, ist zum Sterben verurteilt) ist die raumgreifende Installation ‹Spartifilia›. Ausrangierte oder gefundene Gegenstände wie Ziegelsteine, Plastikkübel, Tennisschläger, Autoreifenfelgen oder Sonnenschirmständer hat er hier mithilfe von Besenstielen, Stangen, Holzstöcken sowie Ketten und Seilen zu einer Art ‹Leitsystem› verknüpft, welches das Publikum durch den Raum lotst. Üblicherweise kommen solche Systeme in den Security-Zonen von Flughäfen oder vor Konzerthallen und Museen zum Einsatz, um die Menschenschlangen unter Kontrolle zu halten. Genau auf solche Mechanismen und sozialen Zwänge spielt der Künstler mit ‹Spartifilia› an. Mit harmlosen, weggeworfenen Dingen macht er den Zwang zur Ordnung hautnah erfahrbar.
Mit dem Ausstellungstitel weist Di Luzio darauf hin, dass es heute vielfach Usus ist, Informationen unreflektiert und ohne sie tatsächlich zu verstehen weiterzugeben, etwa über die sozialen Netzwerke. Davon zeugt in der Ausstellung auch die Skulptur ‹Hello Flower›: Ein überdimensionaler silberner Kopf, der auf einem dünnen Hals hin und her wackelt, schleudert uns unentwegt dasselbe sinnlose Lied entgegen und erinnert damit auch an die stupiden Sprechpuppen in den Kinderzimmern.
Ein besonderer Schwerpunkt wird in der Schau auf die Zeichnung gelegt. Auch diese Arbeiten sind doppelbödig. Es gibt immer eine kuriose Seite, die aber jeweils von einer beängstigenden Ebene unterlaufen wird. Typisch für die grossformatigen Tempera- und Kohlezeichnungen ist etwa ‹Benino›. Dem schlafenden, unschuldigen Hirten neapolitanischer Krippendarstellungen hängt Di Luzio einen Knüppel an den Gürtel und symbolisiert damit das männliche Machtgehabe.

Bis: 14.01.2018



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Lorenzo Scotto di Luzio [07.10.17-14.01.18]
Institutionen Merano Arte [Merano/Italien]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in Lorenzo Scotto di Luzio
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