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12.2017




Winterthur : Jakob Tuggener


von: Johanna Encrantz

  
links: Jakob Tuggener · Berti, Laufmädchen in der Maschinenfabrik Oerlikon, 1936 ©Jakob Tuggener-Stiftung
rechts: Jakob Tuggener · Kraftwerk Grande Dixence, 1942 ©Jakob Tuggener-Stiftung


Die Ausstellung ‹Jakob Tuggener - Maschinenzeit› beginnt mit Porträts aus den Zwanziger-, Dreissiger und Vierzigerjahren. Die Aufnahmen zeigen Menschen, welche damals in der Maschinenfabrik Oerlikon arbeiteten, Giesser, Buchhalter, Schleifer, Laufmädchen; den Blick teils abgewandt, teils direkt in die Kamera des Schweizer Fotografen gerichtet. Jakob Tuggener (1904-1988) hat dabei nicht die objektive Dokumentation einer Belegschaft interessiert, sondern jeder einzelne Mensch inmitten seines eigenen Universums.
Erlebnis und Empfindung prägen die Fotografien von Tuggener. In Bildreihen zeigt er Geschichten und Gefühle, seine Inspiration dazu findet er in den Bildmontagen deutscher Stummfilme. Die erste Serie der Ausstellung beginnt mit einem kleinen Fabrikbach in Aatal im Zürcher Oberland und endet mit der gigantischen Staumauer des Kraftwerks in den Walliser Alpen. Tuggener zeigt in seinen Bildern und Buchmaquetten, wie sich der Mensch zwischen den Maschinen bewegt und die Getriebe am Laufen hält, und vergleicht dabei den Stahlarbeiter «wenn das grosse Rauschen anfängt und die Drehzahl wächst» mit Siegfried im Drachenkampf: «Bei 4000 Touren zerreisst unser Herz, bei 5000 das Ohr.»
Tuggener lernte Maschinenzeichner bei der Firma Maag Zahnräder AG in Zürich, bevor er 1930 eine Ausbildung als Künstler in Deutschland begann. Zurück in der Schweiz, fotografierte er für die Hauszeitung der Maschinen- und Waffenfabrik Oerlikon in Zürich. Tuggener arbeitete nicht nur fotografisch, sondern auch als Filmemacher und Maler. Er begriff sich als Künstler, der sich mit Leib und Seele, Auge und Ohr in der modernen neuen Zeit bewegte und diese in Bildern und Filmen interpretierte und wiedergab. «Das Dynamische, das Tempo ist das Wesen der Gegenwart. Wie habe ich Freude, ihr Künder zu sein», schrieb er 1934 an eine Freundin.
Fasziniert von Maschinen und Motoren reiste er an Flugmeetings und Autorennen in der Schweiz. In seiner eigenen poetisch-assoziativen Arbeitsweise erzählt er dabei über das Dröhnen und die Geschwindigkeit der Flugzeuge und Automobile, das allgegenwärtige Todesrisiko der Piloten und die Eleganz der Besucherinnen. Tuggeners subjektive Haltung in den Fotografien zeigt auch die Gefahr, welche er in der modernen Maschinenzeit erkannte: das zerstörerische Potenzial des ungebremsten technischen Fortschritts, welches in der Destruktivität des Zweiten Weltkriegs mündete.

Bis: 31.12.2017



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Jakob Tuggener [21.10.17-28.01.18]
Institutionen Fotostiftung Schweiz [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Johanna Encrantz
Künstler/in Jakob Tuggener
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