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Hinweis
12.2017




Zürich : Talisa Lallai


von: Giulia Bernardi

  
links: Talisa Lallai · Trenitalia (Daydreams), 2017, Inkjet Print, Ed. of 5 + 2 AP, 40x50 cm, Courtesy BolteLang
rechts: Talisa Lallai · L'amour toujours, 2017, Inkjet Print, Ed. of 5 + 2 AP, 42x60 cm, ©Courtesy BolteLang


Im Wind wehende Palmenblätter, klebrig-salzige Luft sandiger Strandpromenaden, Schattenspiele in den Gassen der Altstadt. Mit diesen nostalgischen Motiven hält Talisa Lallai (*1989, Frankfurt) Urlaubsszenen aus ihrem Heimatland Italien fest. Die ausgestellten Aufnahmen greifen mit ihrer leichten Unschärfe und ihrer körnigen Struktur die fotografische Ästhetik des vergangenen Jahrhunderts auf. ‹Lento Violento› ist die bis anhin persönlichste Ausstellung der in Deutschland geborenen Künstlerin. Ihre Aufnahmen entstanden während einer Reise von Salerno zum Geburtsort ihrer Mutter in Kalabrien. Mit einer Rollei 35, eine Kleinbildkamera kaum grösser als eine Zigarettenpackung, zeigt uns Lallai ihre persönliche Sicht Italiens. In ‹Trenitalia (Daydreams)› hält sie die Fahrt und die Tagträumerei in meist klapprigen Zügen fest, in ‹L'amour toujours› eine gesprayte Liebeserklärung auf einer Hausfassade. Die alltäglichen und doch poetischen Sujets suggerieren die Sehnsucht nach der Ferne und spielen gleichzeitig mit Klischees über den Süden: Denn die abgebildeten Szenen sind all denjenigen vertraut, die von ihrer Reiselust schon mal nach Italien gezogen wurden.
Im Rahmen der Ausstellung werden die Fotografien durch gefundenes Material ergänzt. So beispielsweise durch einen Postkartenständer oder durch drei golden gerahmte Bilder, die Lallai bei einem Antiquitätenhändler in der Altstadt des kalabresischen Dorfes erworben hat. Die ausgesuchten Gegenstände heben den nostalgischen Charakter der Aufnahmen hervor und verleihen ihnen etwas Skulpturales, denn eine Postkarte in einem Postkartenständer ähnelt eher einer dreidimensionalen Plastik als einem zweidimensionalen Bild. Dies widerspiegelt auch die Auffassung der jungen Künstlerin, die ihre Werke als plastisch und nicht als fotografisch bezeichnen würde.
Auf diese Weise präsentiert Lallai ihr eigenes Gefühl von Heimat und spielt mit verschiedenen Gegensätzen, welche sie einander gegenüberstellt: Ferne und Nähe, das Fremde und das Eigene, das Zwei- und das Dreidimensionale, das Triviale und das Poetische, das Gewöhnliche und das Aufregende. Passend zu dieser binären Gegenüberstellung ist auch der Titel ‹Lento Violento›: ruhig und doch gewaltig, wie die Palmenblätter im Wind.

Bis: 23.12.2017



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Talisa Lallai, Markus Saile [24.11.17-13.01.18]
Ausstellungen Talisa Lallai [03.11.17-16.12.17]
Institutionen Galerie Nathalie Halgand [Wien/Österreich]
Institutionen BolteLang [Zürich/Schweiz]
Autor/in Giulia Bernardi
Künstler/in Talisa Lallai
Künstler/in Markus Saile
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