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12.2017




Zürich : Matt Mullican


von: Giulia Bernardi

  
Matt Mullican · 1st person in bed in the world, 2017, Digitaldruck und Ölpastell auf Leinwand, 74x212 cm, Courtesy Mai 36 Galerie, Zürich


Mit Piktogrammen und bedeutungsträchtigen Symbolen organisieren wir die schnelllebige moderne Welt: Achtung, Vorfahrt gewähren, rote Rosen zum Valentinstag. Enzyklopädisch ordnen wir die Realität, schaffen ein einheitliches Zeichensystem, an dem sich jeder orientieren kann. Doch die einzelnen Zeichen erhalten ihre Bedeutung nicht durch ihren intrinsischen Wert, sondern durch kulturelle Begebenheiten und Differenzierung. So lautet zumindest die strukturalistische Theorie von Ferdinand de Saussure, Anfang des 20. Jahrhunderts von ihm in seinem Buch ‹Cours Linguistique Generale› formuliert. Nach de Saussure ist die Interpretation roter Rosen als romantische Geste kulturbedingt; zudem erhalten die Rosen ihre symbolische Bedeutung, indem sie sich von anderen Blumen unterscheiden. So scheint der Entwurf einer allgemeingültigen Wahrheit sinnlos in einer Welt, in der die Realität sich aus Kultur, Konvention und subjektiver Wahrnehmung zusammensetzt.
Mit der Repräsentation einer solch arbiträren Realität beschäftigt sich der amerikanische Künstler Matt Mullican (*1951, Santa Monica) in seiner Ausstellung ‹Representing That Reality›. Daran interessiert, wie Wahrnehmung entsteht, entwirft er verschiedene Modelle, sogenannte Kosmologien. Die erste stammt aus dem Jahr 1973 und beschreibt eine als Kind imaginierte Reise seiner Seele ins Jenseits. Das zweite Modell wurde erstmals 1983 aufgezeichnet. In dieser Gesamt-Kosmologie lassen sich fünf aufeinander bezogene Welten anhand von Farben unterscheiden: Grün für die Welt der reinen Materie, der «physical elements»; Blau für die instrumentelle, vom Mensch geschaffenen Gegenstandswelt, die Mullican als «world unframed» bezeichnet; Gelb für die Welt der Künste und des kulturellen Bewusstseins, die entsprechend als «world framed» definiert wird; die nächste, schwarz-weisse Welt, ist die der Sprache («language»), worauf die rote Welt des Subjektiven folgt («subjective»), in der alles seine unvermittelbare Deutung erfährt. In Form von Videoanimationen, Zeichnungssequenzen oder Modellen aus Glas oder Zinn, greift Matt Mullican diese Gesamt-Kosmologie auf und untersucht die Beziehung zwischen Wahrnehmung und Realität.

Bis: 23.12.2017



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Ausgabe 12  2017
Ausstellungen Matt Mullican [03.11.17-23.12.17]
Institutionen Mai 36 Galerie [Zürich/Schweiz]
Autor/in Giulia Bernardi
Künstler/in Matt Mullican
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