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Kunst und Bau
1/2.2018


 Unverrückbar ist der Stein, den Eric Hattan der sanierten St. Jakobshalle vermachte. Unbewegt wie sein Findling aus dem Gotthardmassiv, der nun das ganze Dach trägt, schien lange auch die Entwicklung für neue Szenarien zu Basels Kunst im ­öffentlichen Raum.


Kunst und Bau - Bleibende Zeichen der Gegenwart


  
Erich Hattan · Unverrückbar, 2017, Findling, 24 Tonnen, Foyer St. Jakobshalle Basel. Foto: Olivier Christe


Für eine extensive Nutzung muss die Sport- und Eventhalle fit werden. 12'000 Personen wird sie nach der Sanierung 2018 aufnehmen können, und das weitläufige, zur Tramstation hin durchfensterte Foyer muss grösstem Andrang standhalten. Allein darum darf die St. Jakobshalle Basel in ihrer multifunktionalen Grosszügigkeit ­keine unverrückbaren Hindernisse aufnehmen. Kunst - das war bei der Ausschreibung schon klar - hat einen schweren Stand. Sie bekommt's mit Sicherheitsvorschriften, Fluchtwegen und Informationsflächen zu tun, die hier Turnierpläne oder Konzerte simultan aus dem Innern ins Foyer rieseln lassen werden. Der Basler Künstler Eric Hattan (*1955, Wettingen) hat das ernst genommen und die herausfordernde Ausgangslage zu einer witzigen Pointe verkehrt.
‹Unverrückbar›- so ist und so heisst der Findling aus dem Gotthardmassiv, den der eiszeitliche Gletscher bereits dem Mittelland zugetragen hatte, bevor seine rund 24 Tonnen in Basel flugs den Bauprozess einholten. Denn anstatt abzuwarten, bis sein Werk in der fertigen Architektur einen Platz fände, sah Hattan zu, dass die Grundsteinlegung mit der Werkgenese zusammenfiel. Man erkennt auf den ersten Blick: Diese Kunst ist da nicht so schnell wieder wegzukriegen. ‹Unverrückbar› sockelt den einzigen, freistehenden Pfeiler, der lebenslänglich die Last des auskragenden Dachs trägt. Und wenn Hattan immer mal wieder Mobiliar oder Textilien wie nomadische Kapitelle mit einer Dachlatte an die Decke von Ausstellungsräumen pinnte, fordert sein Stein hier am Boden rüttelfest seine Bleibe, die Permanenz.
Diesem geglückten Kunst-und-Bau-Projekt ist Basels Anstrengung anzumerken, Wettbewerbe früh auszuschreiben und so den jeweils besten Einfall im Verbund mit Architektinnen und Planern der Realisierung entgegenzutreiben. Auch hat der inzwischen hundertjährige Kunstkredit Basel-Stadt merklich investiert in die Kommunikation und Vermittlung neuer Vorhaben - ein Symptom der Identifikation mit ortsspezifischer, lokal verwurzelter Kunst und eine nicht zu unterschätzende Investition in deren langfristigen Schutz.
Ein aktuelles, öffentlich einsehbares Inventar des heutigen Bestands bleibt zwar noch Desiderat. Doch mit jedem Nachweis ästhetisch sinnstiftender Interventionen und mit jedem Werk, das dem Vorbehalt gegenüber einer unmotivierten «Möblierung» urbaner Räume glaubhaft Widerstand leistet, ist Basel auch einem Modell näher, das Finanzierung, Vermittlung und Unterhalt auf einen tragfähigen Sockel stellt.



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Ausgabe 1/2  2018
Autor/in Isabel Zürcher
Künstler/in Eric Hattan
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