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Besprechung
1/2.2018


Stefanie Manthey :  Das Künstlerduo Clegg & Guttmann setzt sich mit den Strukturen von Öffentlichkeit und Fragen der Repräsentation auseinander. In der Kunsthalle Basel realisierten sie 1997 anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums ein Projekt zum Ersten Zionistenkongress in Basel. Zwanzig Jahre später stellen sie es neu auf.


Basel : Clegg & Guttmann - Geschichte aufstellen


  
Michael Clegg & Martin Guttmann · 120 Jahre nach dem Ersten Zionistenkongress in Basel, oben: «Der bürgerliche Salon»; unten die Wiedervorlage des Bereichs zum ersten Kongress der Zionisten unter Leitung von Theodor Herzl im Stadtcasino Basel (29.-31. August 1897), Installationsansicht Kunstmuseum Basel | Gegenwart, 2017. Foto: Julian Salinas


Anlässlich der Ausstellung ‹Chagall. Die Jahre des Durchbruchs› gründete Kurator Josef Helfenstein einen Think Tank, in dem auch über den Ersten Zionistenkongress debattiert wurde. Paralell zum kuratorischen Entscheid, dieses Thema nicht in die Chagall-Ausstellung aufnzunehmen, intensivierte sich das Interesse an einem Projekt des Künstlerduos ­Michael Clegg (*1957, Dublin) und Yair Martin Guttmann (*1957, Jerusalem). Diese hatten 1997 zusammen mit dem Historiker Heiko Haumann eine Ausstellung im Oberlichtsaal der Kunsthalle Basel und eine Intervention in der Universitäts­bibliothek realisiert. In der Kunsthalle wurden damals mit historischem Mobiliar wie Gebetsbänken, Caféhaustischen sowie Fotografien Aspekte der jüdischen Gemeinschaft um 1900 inszeniert. Orte zum Hinsitzen und Verweilen an der Bruchstelle zwischen historischer Studie, Setting in einem Museum und künstlerischer Intervention entstanden. In der Universitätsbibliothek richteten sie Bücherregale mit spezifischer Literaturauswahl zum Thema ‹Zionism as Separatism› ein.
Zwanzig Jahre später wurden Clegg & Guttmann dafür gewonnen, ihr Projekt zum Ersten Zionistenkongress in Basel für den Oberlichtsaal des Kunstmuseums Gegenwart zu überarbeiten und im Rahmen der laufenden Bestrebungen, das Museum gesamthaft mit Künstlerräumen einzurichten, zu realisieren. Die einzelnen Bereiche mit Referenz zu Aspekten jüdischer Gemeinschaft um 1900 wurden beibehalten und grosszügig in das durchlichtete Raumvolumen hineingesetzt. Der Aufstieg über die enge Wendeltreppe mündet in einer Art Foyer mit Salon. Der ‹Point de Vue› zeigt die Rekonstruktion der Sitzordnung beim Ersten Zionistenkongress mit der Karte Israels als einzigem visuellen Element. Auf Augenhöhe säumen kolorierte Reproduktionen historischer Personen die Wände, ergänzt um Vitrinen mit Archivmaterial. «Intellektuelles Gerüst» sind Paare von Audioquellen, die nach dem Prinzip Meinung und Gegenmeinung aufeinandertreffen: die Rede Herzls auf den Kommentar seines Kritikers Asher Ginsberg, Otto Weiniger auf Arthur Schnitzler und Hannah Arendt. Geschichte wird hier im Bekenntnis zur Mehrstimmigkeit aufgestellt und macht dem Publikum das Angebot, sich in ein solches Modell mit Hannah Arendt und ihrem Essay über den ‹Berlin Salon› von 1932 einzuhören. Das ist ein in nuce ethnografischer, engagiert kulturhistorischer Akt, den die Chagall-Ausstellung mit den Fotografien von Solomin Judowin und Roman Vishniac aufgreift und differenziert.

Bis: 25.03.2018



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Ausgabe 1/2  2018
Ausstellungen Clegg/Guttmann [15.11.17-25.03.18]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Gegenwart [Basel/Schweiz]
Autor/in Stefanie Manthey
Künstler/in Clegg/Guttmann
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