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Besprechung
1/2.2018


Kathrin Frauenfelder :  Seit 1992 stellt Joseph Egan regelmässig in der Galerie Verna aus. ‹Local Color› ist nun die zehnte Show des in Zürich lebenden Amerikaners. Sie thematisiert den Ort Guarda und ist in Anlehnung an eine Symphonie aufgebaut. Jeder Raum folgt dem Leitmotiv, ist einzeln moduliert und bildet einen in sich geschlossenen Satz.


Zürich : Joseph Egan - Local Color


  
Joseph Egan · Old Ways, 2014, 38,5 x 31,5 x 3 cm, unterschiedliche Farben auf Leinwand, gerahmt, Courtesy Annemarie Verna Galerie, Zürich


«Lokalfarbe» ist ein Begriff aus der Kunstgeschichte. Er bezeichnet die Farbe, die einem nicht selbstleuchtenden Gegenstand eigen ist. ‹Local Color› meint aber auch im Sinne von «Lokalkolorit» die örtliche Färbung, die Eigenart und die Atmosphäre, die für einen Ort, für eine Gegend oder eine Landschaft charakteristisch sind. Der in Zürich lebende Joseph Egan (*1952, Scranton) bezieht sich in seiner aktuellen Ausstellung auf diese beiden Aspekte des Begriffs.
Konkret war es ein Aufenthalt im bündnerischen Guarda, wo ihn die pastellfarbenen Anstriche der Fassaden faszinierten. Auch das Farbklima der herbstlichen Wälder, der bunten Blätter und der sonnenbeschienenen Landschaft des Unterenga­dins motivierten ihn, seine vor Ort gewonnenen Sinneseindrücke in Farbmalerei zu übersetzten. So wechseln sich in der Ausstellung Kompositionen in trockenem, kalkig pastellenem Kolorit ab, mit - überraschenderweise - zahlreichen Arbeiten, die durch dunkle Farben geprägt sind, wie die kleinen, staffeleiähnlichen Bildobjekte, deren Hintergründe in verschiedenen erdigen und bräunlichroten Tönen moduliert sind und vor die ein bald mit tonigem Ocker, bald mit leuchtendem Ultramarin bemaltes Täfelchen gestellt ist. Spannend ist die Serie ‹in wine›, bei denen der kräftige Farbauftrag auf den kleinformatigen Leinwänden geradezu synästhetische Effekte bewirkt, etwa indem die dunkle Schwere des ins Violett tendierenden Dunkelrots an den Rändern in transparentes Dunkelgrün übergeht, so dass das Aroma der reifen Waldbeeren eines im Kristallkelch geschwenkten, gut gelagerten Bündner Tropfens in die Nase steigt.
In anderen Gemälden ist ein Echo von Architektur auszumachen, wobei Umrisse von Rundbögen und gotischen Kirchenfenstern nur schwach angedeutet sind. Diese architektonischen Anspielungen setzt der Künstler weniger ein, um etwas Figürliches zu gestalten, als vielmehr, um die Farbe in ihrer malerischen Wirkung zu steigern. Durch den differenzierten Farbauftrag und die lasierende Malweise verwischen die Farben in einer Weise, dass sie einen Raum suggerieren, der von innen heraus zu leuchten scheint. Die ausgestellten Werke demonstrieren eindrücklich Egans primäres Interesse an der Farbe als Mittel zur Erzeugung von Konzentration und Intensität sowie ihrer Möglichkeit, bestimmte lebensweltliche Erscheinungen vermittels ­Malerei vor Augen zu führen. Dabei geht es dem Künstler nicht darum, zu verklären oder gar zu überhöhen, sondern seine Malerei basiert auf klaren Fakten. Und gerade indem er diese respektiert, gelingt es ihm, das Publikum transzendental in eine andere Sphäre zu versetzen. ‹Local Color›, eben.

Bis: 10.02.2018



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Ausgabe 1/2  2018
Ausstellungen Joseph Egan [23.11.17-10.02.18]
Institutionen Annemarie Verna Galerie [Zürich/Schweiz]
Autor/in Kathrin Frauenfelder
Künstler/in Joseph Egan
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