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Besprechung
1/2.2018


Nicola Schröder :  Abkupfern, reproduzieren, imitieren - klauen liegt im Trend. Gelegentlich hat man das Gefühl, die Basis-Innovation World Wide Web ziehe ein einziges Copy-Paste-Netz hinter sich her. Die Schau ‹Theft is Vision› der gta Ausstellungen im Löwenbräuareal wiederlegt dieses Gefühl nicht.


Zürich : Theft is Vision - Ist Diebstahl die Zukunft?


  
Theft is Vision, 2017, Installation view, LUMA Westbau, Zürich. Foto Stefan Altenburger


Schon der Titel der Ausstellung im Westbau des Löwenbräuareals ist geklaut: ‹Theft is Vision› stammt vom New Yorker Kurator Bob Nickas. Wie schon bei früheren Ausstellungen des Kuratorenpaars Niels Olsen und Fredi Fischli dient Nickas als geistiger Mentor. Werke locker nach einem scheinbar willkürlichen ­Motto zu gruppieren, eignet sich denn auch bestens als vermeintliches Vorbild für eine bunte Ansammlung wie diese. Im Fokus der Ausstellung steht die Aneignung als künstlerisches Mittel. Bekannte Motive fallen ins Auge, teils aber seltsam verfremdet oder neu interpretiert: Ein überdimensionales Target nach Jasper Johns liegt am Boden, eine Reihe von Varianten zerschnittener Leinwände nach Lucio Fontana sind als Gruppe drapiert, dazwischen populäre und pornografische Bilder. Aneignung gehört zur Geschichte der Kunst. Bedeutende Epochen und Werke erhielten oft ein neues Leben in neuem Gewand.
Auch die Ausstellungsarchitektur von Petra Blaisse/Inside Outside ist an einem barocken Vorbild orientiert - an einer Enfilade, einer Raumfolge mit Durchgängen, die auf einer geraden Achse verlaufen. Doch hier bietet sich noch mehr Durchblick, als der Durchgang freigibt. Auch die Wände sind transparent. Die Werke hängen vor filigranen, mit Klarsichtfolie bespannten Metallgerüsten. Was die Architektur deutlich macht: Das System ist durchlässig. Ansichten und Werke überlagern und durchdringen sich. Beinahe erfasst man die Ausstellung mit einem einzigen Blick. Ist es Idealisierung oder eher Subversion, wenn riesige Penetrationsdarstellungen in direkter Nachbarschaft mit einer poppig plakativen Version von Davids Napoleon inklusive dreidimensionaler Kanone zu sehen sind? Sie treffen auf Varianten des Readymades von Duchamp. Die Luxus-Shopping-Bags von Sylvie Fleury begegnen denjenigen aus einem SM Shop von Isa Genzken und Einkaufstaschen inklusive Putzmittel von ­Maria Eichhorn. Soll hier der permanente Innovationszwang in der Kunst konterkariert werden? Recht offensichtlich ist eine Anhäufung von Dingen im Gang, die neue Bilder schafft und in Gang setzt. Nicht zuletzt die Anwesenheit einer «Einkaufstüte» von Cosima von Bonin vermittelt, dass hier auch durch die Art des Rekombinierens neue Begriffe entstehen. Sie selbst definiert ihre Arbeit über Wiederverwendung, Kooperation und Dialog. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, die lustvoll ironisch herausfordert und damit sehr ernst zum Dialog um eine Neubewertung bittet.

Bis: 04.02.2018



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Ausgabe 1/2  2018
Ausstellungen Theft is Vision [18.11.17-04.02.18]
Institutionen Luma/Westbau [Zürich/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Link http://www.ausstellungen.gta.arch.ethz.ch
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