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1/2.2018




Solothurn : Susan Hodel


von: Patricia Bieder

  
links: Susan Hodel · line to line, 2016/2017, Grafit auf Kreide auf Leinwand, 117,5 x 117,5 cm © ProLitteris. Foto: Lorenz Cugini
rechts: Susan Hodel · Muschelgold, 2016, Aquarell auf Bütten, 76 x 56 cm © ProLitteris. Foto: Lorenz Cugini


‹line to line› heisst die Ausstellung von Susan Hodel (*1962) in der Galerie Abbühl. Der programmatische Titel ist den gleichnamigen Werken entlehnt, die im ersten Raum gezeigt werden. Die reduzierte Präsentation entspricht den grossformatigen, quadratischen Arbeiten, die in ihrer schlichten Prägnanz minimalistisch erscheinen und zu einer differenzierten Betrachtung einladen. Denn obwohl die Vorgehensweise bei allen vier Werken gleich ist, unterscheiden sie sich in ihrer Erscheinung. Auf den mit Kreide und Zinkweiss grundierten Leinwänden zeigt sich ein äusserst feines Netzwerk aus Grafitlinien. Waren 2013 anlässlich von Hodels Einzelausstellung im Kunstmuseum ­Solothurn verwandte grossformatige Zeichnungen mit dem Titel ‹Edelweiss› zu sehen, bei denen der Raster mit Hilfe des Lineals entstand, sind die horizontalen und vertikalen Linien in den neuen Arbeiten frei von Hand gezogen. Das feine Liniennetz lässt an eine Gewebestruktur denken. Aus der Distanz entsteht der Eindruck von Grafitwolken. Eine Illusion, die durch die dunklen Linien hervorgerufen wird, denn je nach Beschaffenheit der Kreidegrundierung bleibt mehr oder weniger Grafit hängen. Die Unberechenbarkeit des Bildgrunds durchbricht die formale Strenge der immer gleich aufgetragenen Linien und erzeugt eine malerische Wirkung. In der Fläche des gezeichneten Rasters öffnen sich Bildräume und Assoziationsfelder, es entstehen mehrstimmige Bildgefüge, die sich je nach Tageslicht neu lesen lassen.
Wie wichtig der Zwischenraum - als Mass zwischen zwei Linien, im übertragenen Sinne als produktive Leere - für Hodel ist, wird im zweiten Raum erkennbar. Auch hier zeigen sich die Künstlerin und der Galerist mutig in der spärlichen Hängung und schaffen so spannungsvolle Zwischenräume, die so erfrischend wie verbindend wirken. Zwei Aquarelle stechen aufgrund ihrer Farbigkeit in der sonst vom silbernen Grafit dominierten Ausstellung hervor. In unzähligen Lasuren wurden bestimmte Aquarellfarben in einem dichten Quadratraster minutiös übereinandergeschichtet. Hodel schafft so reizvolle Werke, die zu einer Refle­xion über materialspezifische Aspekte anregen und zu einer sinnlichen Begegnung führen.

Bis: 03.02.2018



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Ausgabe 1/2  2018
Ausstellungen Susan Hodel [09.12.17-03.02.18]
Institutionen Kunstforum/Galerie Ch. Abbühl [Solothurn/Schweiz]
Autor/in Patricia Bieder
Künstler/in Susan Hodel
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