Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
1/2.2018




Zug : Christa de Carouge


von: Niklaus Oberholzer

  
Christa de Carouge · De Niz, 2017. Foto: Christian Lanz


Mode im Kunsthaus? Christa de Carouge (*1936) verwahrt sich gegen das Wort ­«Mode». Die «Grande Dame en noir» gestaltet seit Jahrzehnten Kleider, die man anziehen (und leicht waschen, also tatsächlich gebrauchen) kann. Doch Mode - Mode, die von Saison zu Saison wechselt? Sicher nicht. Ist es Kunst? Für Matthias Haldemann, Direktor Kunsthaus Zug, in dessen sämtlichen Räumen Christa de Carouge ihr Lebenswerk ausbreitet, ist die Frage einerlei. Ihn interessiert weniger die klare Antwort als das Überspringen der Grenzen zwischen Kunst und Literatur, Kunst und Musik oder, wie jetzt, eben Kunst und Kleidern, die, wie im Fall von Christa de Carouge, zu «Behausungen für den Körper», also zu Architektur oder zu Körper-Raum-Kunst werden. Dass eine Publikation über ihr Schaffen von einem Architekten, Werner Blaser, stammt, und dass ihr ­Titel ‹Habit - Habitat› lautet, also die Verbindung zwischen Kleid (Habit) und Wohnen (Habitare) schafft, ist denn auch kein Zufall.
Früher arbeitete de Carouge mit Baumwolle, Wolle, Seide. Jetzt verwendet sie oft in Zusammenarbeit mit Martin Leuthold, Kreativdirektor bei Jacob Schlaepfer AG, entwickelte Gewebe aus pflegeleichteren Microfasern. Fast alle Stücke sind schwarz, doch das Schwarz wechselt den Charakter je nach Struktur, Material und Lichteinfall. Folgerichtig ist nun auch eine Malerei von Pierre Soulage in die Ausstellung einbezogen. Alle Kleidungsstücke bilden, wenn sie getragen werden, Körper-Volumen, die sich ihrerseits stets verändern mit der Bewegung ihrer Trägerinnen und Träger im Raum. Weil diese Lebendigkeit der Kleider de Carouges zentral ist, können die Besucherinnen und Besucher die Stücke nicht nur anschauen, sondern (wenigstens teilweise) auch berühren und anprobieren. Christa de Carouge präsentiert die Kleider an rohen Gerüststangen oder breitet sie auf dem Boden aus. Sie schuf eine «Wohnecke» mit Schlafsack und Kleidern, die Behausungen sind. In einem Raum zeigt sie Bücher, Objekte, Erinnerungsgegenstände, Fotos, Stoffe als Hinweise auf ihre Inspirationsquellen - auf Tibet, Buddhismus, japanische Ästhetik, Zen, aber auch auf Le Corbusier, Soulage, Max Bill.
Christa de Carouge nimmt die praktisch verwendbare Kleidung zum Ausgangspunkt und gelangt grenzüberschreitend zum Skulpturalen. Manche Künstlerinnen und Künstler rühren von der Gegenseite her an die Grenze - Franz West, Erwin Wurm, Rebecca Horn, Franz Erhard Walther, Frederike Pezold und viele andere. Ziel ist, bei allen Unterschieden, immer die Frage nach der elementaren Beziehung zwischen Körper und Raum. Das Verdienst der Zuger Ausstellung ist es, bei aller Verschiedenheit der Positionen ein solches Denken voranzutreiben.

Bis: 18.02.2018



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2018
Ausstellungen Christa de Carouge [18.11.17-18.02.18]
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Christa de Carouge
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=18010317223344L-36
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.