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1/2.2018




Zürich : Brigitte Lustenberger


von: Mechthild Heuser

  
links: Brigitte Lustenberger · Flowers XXIX, 2010, C-print, Blatt 100 x 80 cm, Rahmen 103 x 83 x 3 cm
rechts: Brigitte Lustenberger · Bugs unknown XXI, 2017, C-print, Blatt 18 x 18 cm, beide Bilder: Courtesy Christophe Guye Galerie


Die Fotografie von Brigitte Lustenberger (*1969, Zürich) ist vielschichtig: Bei ihren grossformatigen farbigen Blumenstillleben vor schwarzem Grund liebäugelt sie einerseits mit der Nähe zur Malerei der alten Niederländer, flirtet andererseits aber auch mit den strengen Kompositionen und sinnlich überhöhten Sujets eines Robert Mapplethorpe. So etwa, wenn sie eine kugelige Mohnknospe wie einen Himmelskörper vor schwarzem Firmament frei im Bild schweben lässt und nebst den Farben Grün und Rosarot auch die feine Behaarung von Blättern und Stiel suggestiv in Szene setzt. Assoziationen erotischer Art sind da nicht fern.
Aber anders als Mapplethorpe zeigt Lustenberger nicht die perfekte Schönheit frischer Blüte, sondern bevorzugt einen anderen Zustand: den des Verfalls. Ihre Pflanzen sind welk und getrocknet. Bevor Lustenberger fotografiert, betätigt sie sich als Sammlerin und Konservatorin im privaten Rahmen. Dies gilt auch für Insekten, die sie, tot aufgefunden, direkt zwischen Diagläsern konserviert und mittels altmodischer Projektoren an der Wand ver­grössert.
Oft werden dann in einem zweiten Schritt diese mit Schmutzeinschlüssen wie Staub, Kalk oder Salz verunreinigten Projektionen abermals fotografiert und auf Papier vergrössert. Daraus ergeben sich mikroskopische Einblicke in die Welt der Kleinstlebewesen und kristalliner Strukturen, die uns sonst verborgen blieben und die ihre ganz eigene Schönheit entfalten.
Vergleichbar den sogenannten Fotogrammen bilden sich die Fundstücke aus der Natur hier gleichsam selbst auf Papier ab. Ja mitunter werden sie auch unmittelbar in eigenwillig konstruierten Miniaturvitrinen im Retrochic präsentiert und mittels eingebauter starker Linsen für das menschliche Auge vergrössert. Dem Verfall zuzuschauen, heisst, offen zu sein für den ganz eigenen Charme des Morbiden, den Ekel, den Abscheu und auch die Angst. Dass im Fall der ganz persönlichen «Wunderkammer», in die Brigitte Lustenberger den Showroom der Galerie Christophe Guye verwandelt hat, auch die Ironie nicht zu kurz kommt, zeigt das Por­trätfoto ihres Partners, das uns selbstbewusst aus einem schwarzen Wasserzuber entgegenblickt und seine Auflösung tapfer in Kauf nimmt... Keine Angst, für Ersatz ist gesorgt.

Bis: 20.01.2018



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Ausgabe 1/2  2018
Ausstellungen Brigitte Lustenberger [01.12.17-20.01.18]
Institutionen Christophe Guye Galerie [Zürich/Schweiz]
Autor/in Mechthild Heuser
Künstler/in Brigitte Lustenberger
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