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Hinweis
10.2010




Düsseldorf : Luis Camnitzer


von: Michael Krajewski

  
Luis Camnitzer · Last Words, 2008


Nach vielen Jahren an der Peripherie Düsseldorfs zieht Ursula Walbröl mit ihrer Galerie in die Altstadt, direkt hinter die Kunsthalle, wo Konrad Fischer und Alfred Schmela gearbeitet und Joseph Beuys das Büro für direkte Demokratie geführt hatten. Luis Camnitzers «Last words», die erste Ausstellung in der Mutter-Ey-Strasse, reiht sich schlüssig in die grosse Tradition ein. Camnitzer (*1937 in Lübeck, aufgewachsen in Montevideo, lebt seit 1964 in New York) kann man bereits als Klassiker der lateinamerikanischen Konzeptkunst bezeichnen, welche schon immer eine Spur politischer als die Europas war. Der sechsteiliege Zyklus stellt in grossformatigen Schrifttafeln die letzten Worte von zum Tode Verurteilter vor, die Camnitzer aus Material des Criminal Justice Department von Texas zusammenstellte. Die authentischen Aufzeichnungen kombiniert er mit literarischen Anspielungen auf das Lebensende, so dass in einer Art von Choral und Refrain ein dichtes Textgewebe entsteht. Die formale Kargheit kontrastiert mit den existenziellen Äusserungen. Das sollte durchaus als Kritik an der Todesstrafe verstanden werden. In Camnitzers aktualisierter Ars moriendi führen die Hilferufe, Entschuldigungen, Liebeserklärungen oder Klagen nicht in die tröstenden Worte: «Es ist vollbracht».

Bis: 23.10.2010



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Ausgabe 10  2010
Ausstellungen Luis Camnitzer [03.09.10-23.10.10]
Institutionen Ursula Walbröl [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Michael Krajewski
Künstler/in Luis Camnitzer
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