Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
9.2017


Ursula Badrutt Schoch :  Erstmals bildet das Hochmoor Gais mit seinen Rietwiesen und Scheunen die Ausgangslage für akustische und räumliche Erkundungen von zehn Künstlerinnen und Künstlern, die sich allesamt an den Schnittstellen von visueller Kunst, Musik und Wissenschaft bewegen. Initiant ist der Musiker Patrick Kessler.


Gais AR : Klang Moor Schopfe - Das Gras wachsen hören


  
links: Rupert Huber und WeSpoke & Hackuarium · Scheune mit MoorGesang, 2017. Foto: Jacques Erlanger
rechts: Zimoun · Klang Moor Schopfe, 2017, 76 präparierte DC-Motoren, Filzbälle, 266 m Stahldraht


Ein Stück Orgelpfeife lugt aus dem Heubühne-Fenster. Kaum kommen wir näher, den Schopfeingang im Visier, ertönt ein langer tiefer Ton. Es ist der Ton von Roman Signer, beziehungsweise der Installation, die er für das zehntägige Ereignis Klang Moor Schopfe entwickelt hat. Ein Bewegungsmelder setzt einen Kompressor in Gang und dieser wiederum das Gebläse im Innern, das die Pfeife zum Tönen bringt. Das Tor zum Schopf bleibt verschlossen, die Aufmerksamkeit gilt, gelenkt und begleitet durch den Ton und sobald der erste Schreck verklungen ist, ganz der Landschaft.
Das Betreten des Geländes ist nur beschränkt möglich. Die Moorlandschaft mit ihren sumpfigen Rietwiesen und dem dichten Gehölz verwehrt den leichten Zugang. Allenthalben hingestreute Scheunen und ein nicht überblickbares System von Entwässerungskanälen zeugen von den Bemühungen, dieser Senke am Fusse des Hirschberges, kurz bevor die Stossstrasse von Gais her kommend in engen Kehren sich nach Altstätten windet, doch noch etwas landwirtschaftlichen Nutzen zu entlocken. Und militärischen, denn querdurch verläuft eine Schiessanlage der Schweizer Armee. Das Schützenhaus macht denn auch den Auftakt zum aktuellen Kunstprojekt mit Soundinstallationen von elf verschiedenen Klangkünstlerinnen und Soundtüftlern, es heisst vorübergehend Piccolo Arsenale und ist zu Kasse, Kiosk, Konzertraum und Diskussionsplattform mutiert. Von hier geht's los ins Moor und in die Scheunen.
Olga Kokcharova hat dem Moos im Moor gelauscht sowie seinem Fachspezialisten, dem Bryologen Edi Urmi, und daraus eine Tonspur komponiert. Norbert Möslang hingegen bedient sich der Starkstromleitung. Im Schopf von Albert Oehlen und Wolfgang Voigt erscheint im Rhythmus des Beats ein Baum als Silhouette - oder ist es eine Projektion? Jedenfalls finden Malerei, Musik, Objekt, Rhythmus, Tanz, Performance, Installation fast magisch zwischen zwei Holunderbüschen zusammen. Wo sonst der St. Nikolaus zu Hause ist, bringen WeSpoke gemeinsam mit Vanessa Lorenzo vom Biohackerspace Hackuarium einen Mossteppich in einer Dauerperformance zum Klingen. Der Berner Installationskünstler Zimoun füllt seinen Schopf mit einer Klangvibration, ausgelöst durch eine lange Reihe von gespanntem Draht, auf den 76 Filzballen mittels ebenso vieler Motörchen klopfen - eine Art elektronisches Heustock-Hackbrett, das der Künstler allerdings im oberen Boden versteckt. Wieder draussen, fallen die vielen Drahtzäune ins Auge und Kuhhaare, die sich darin verfangen haben, sowie der Wind, der über den Landstrich pfeift.

Bis: 10.09.2017


‹Klang Moor Schopfe›, ab 31. 8. (18.30 Konzert J. Sartorius)



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 9  2017
Ausstellungen Klang - Moor - Schopfe [01.09.17-10.09.17]
Institutionen Piccolo Arsenale [Gais/Schweiz]
Autor/in Ursula Badrutt Schoch
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170819142546WCO-13
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.