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9.2017




Bonn : Aleksandra Domanović


von: Katja Behrens

  
links: Aleksandra Domanović · Bullen ohne Hörner, 2016, Chromogendruck auf Diasec, Courtesy Tanya Leighton, Berlin. Foto: Aleksandra Domanović und Spencer Lowell
rechts: Aleksandra Domanović · Kalbträgerin, 2017, Synthetischer Gips, Kerrock, Plexiglas und PU-Schaum, 7 Skulpturen, Unikate, Courtesy Tanya Leighton, Berlin


Die in Serbien geborene und heute in Berlin lebende Künstlerin Aleksandra Domanović(*1981, Novi Sad) manipuliert Fotos, giesst Polyurethan-Skulpturen, spricht mit Menschen und nutzt das Internet offensiv für ihre Recherchen. In ihren fortlaufenden Projekten geht es oft um die Erforschung der feministischen Befreiungsbewegung, um Kulturtechniken, aber auch um Kunst und Wissenschaft sowie die Geschichte des früheren Jugoslawien. Neuerdings geht es auch um Algorithmen, um Gentechnologie und Bioengineering und um deren Auswirkungen auf Natur und Kreatur, auf die Menschen und Gesellschaften. Sie hat mit der Verlegung eines feinen adriatischen Siebzigerjahrehotels auf die griechische Insel Samos einen Kommentar zur aktuellen Flüchtlingsproblematik hinterlassen oder Geschlechtergerechtigkeit in der Forschung angemahnt. Es ist vielleicht etwas schwer erkennbar, aber sie bezieht immer gerne politisch Stellung.
‹Kalbträgerin› ist der seltsame Titel ihrer neuen Schau in der Bonner Bundeskunsthalle, die ein brisantes Thema allerdings nur halbherzig und etwas kühl verhandelt. Für ihren Werkblock ‹Bulls Without Horns› führte die Künstlerin 2016 ein Interview mit der Tiergenetikerin Alison Van Eenennaam. Die Forscherin arbeitete damals mit den ersten beiden Stieren, die gentechnisch so verändert waren, dass ihnen keine Hörner wuchsen; zu ihrem eigenen Schutz und zu dem ihrer Halter, wie es heisst. Es sei halt praktischer.
Die grossen Fotografien von Spotigy und Buri zeigen die beiden Jungbullen in verschiedenen Altersstufen, mit schweissig glänzendem Fell, fressend, ruhend, supersüss, traurig. Die kantigen farbigen Stelen mit einem weissen, nach dem Vorbild des antiken Moschophoros ‹geschulterten› Kalb allerdings wirken kühl, ästhetisch auf eine unangenehme Weise, glatt, streng, perfekt. Sollen die makellosen Kalbträgerinnen in Bonn Modell sein für eine nach Perfektion strebende Wissenschaft, die auszieht, die Schöpfung zu «verbessern», dann erreichen sie ihr Ziel jedenfalls nicht über Emotion und anschauliche Emphase. Empathie? Ohne Hintergrundwissen ist hier kaum etwas zu begreifen. Und so bleibt die künstlerisch ziemlich lahm wirkende Ausstellung hinter dem Potenzial, das in dem Thema steckt, weit zurück. Aber vielleicht reicht es auch, zu erkennen, dass, wenn die Wissenschaftlerinnen endlich gleichberechtigt sind, sie vermutlich das Gleiche tun werden wie die männlichen Kollegen.

Bis: 24.09.2017



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Ausgabe 9  2017
Ausstellungen Aleksandra Domanovic [02.06.17-24.09.17]
Institutionen Kunst- und Ausstellungshalle [Bonn/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
Künstler/in Aleksandra Domanovic
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