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9.2017




Genève : Kelley Walker, General Idea, Swiss Pop


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Kelley Walker · Ausstellungsansicht Mamco Genève, 2017. Foto: Annik Wetter
rechts: Swiss Pop, Ausstellungsansicht Mamco ­Genève 2017. Foto: Annik Wetterweis


Der seit 1990 aktive Gründungsdirektor des 1994 eröffneten MAMCO, Christian Bernard, war ein begnadeter Museumsleiter. Es gelang ihm, zahlreiche Schätze in das Haus zu holen. Doch die vielen für die Präsentation der Werke errichteten Wände liessen das Museum mit der Zeit eng werden. Zudem überforderten die Spezialschauen, die in die bereits dichte Sammlungspräsentation eingestreut waren, das weniger erfahrene Publikum. Der 2016 eingesetzte Nachfolger hat nun innert kurzer Zeit zielstrebig und treffsicher für frischen Wind gesorgt. Auf allen Stöcken werden jetzt Ausblicke und Weitsicht geboten. Die lichtvollen Räume kommunizieren miteinander. Eine selektivere sowie klarer unterschiedene Sammlungspräsentation und Ausstellungsprogrammierung erlaubt ein intensiveres Einlassen auf die Einzelwerke und Werkreihen. Chapeau!
In der Sammlung sind diese Saison nebst den permanenten Gefässen wie bspw. ‹L'Appartement› von Ecart, ‹L'Atelier› von Sarkis und ‹L'Inventaire› von Claude Rutault vor allem auch die mit feministischen Ansätzen arbeitenden Künstlerinnen der Picture Generation (Noland, Parsons, Levine) stark und breit vertreten.
Die Programmierung wartet jetzt mit einer Retrospektive von Kelley Walker auf, die angesichts der fantastischen Heterogenität und Extravaganz der Werke in ihrer chronologischen Aneinanderreihung fast etwas brav daherkommt - ausgenommen in dem Saal, in dem sie sich sozusagen in den Schwanz beisst. In der Konfrontation der Découpages-Assemblages von 2003, basierend auf Internetbildern, und den späteren Siebdruckarbeiten wird das Ringen des Künstlers besonders deutlich: Er versuchte dem durch die mechanischen Reproduktionsmethoden und digitalen Transmissionstechniken entmaterialisierten Bild wieder einen Körper zu geben. Verblüffend ist es zudem, plötzlich vor den mit Schokolade übermalten Siebdrucken mit Presseaufnahmen zu stehen, die zeigen, mit welcher Gewalt die Polizei in den USA gegen Schwarze vorging. Diese ‹Black Star Press›-Gemälde lösten damals heftige Proteste aus. Hier wirken sie wie eine Vereinigung Kelleys mit den Gesten von Pollock, Warhol und McCarthy zu einem zynischen Abgesang der amerikanischen Kultur.
Des Weiteren wird das Fotoarchiv des Kollektivs General Idea präsentiert, das die Anfänge der Produktion ihres eigenen Mythos zeigt. Diese Einblicke sind top. Die geschwind hingeworfene Kleinschau ‹Swiss Pop›, die sich auch als Kritik der beflissen konstruierten Übersichtsausstellung ‹Swiss Pop Art› im Aargauer Kunsthaus versteht, erweist sich dagegen als Flop. Die These, dass es gar keine richtige Pop Art gab in der Schweiz, sondern immer nur einzelne Kunstschaffende, die mit dem Kubismus, Konstruktivismus, Duchamp und Dada entlehnten Strategien arbeiteten, hätte da schon klarer dargelegt werden müssen.

Bis: 10.09.2017



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Ausgabe 9  2017
Ausstellungen Kelley Walker [31.05.17-10.09.17]
Institutionen Mamco Genève [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Kelley Walker
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