Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
9.2017




München : Thomas Struth


von: Roberta, De Righi

  
links: Thomas Struth · Kyoko und Tomoharu Murakami, Tokio, 1991, Chromogenic print, 105,5x126,0 cm
rechts: Thomas Struth · Audience 11, Florenz 2004, Chromogenic print, 179,5x291,5 cm


als «Beziehungsexperten» beschreiben. Denn er ist derjenige Foto-Künstler aus der Schule der Bechers, der seinen Blick auf komplexe Beziehungsgefüge richtet: Seit er sich 1982 im Rahmen eines psychoanalytischen Forschungsprojekts mit Familienleben auseinandersetzte, führte er das Thema immer wieder fort. Er porträtierte Gastgeber und Freunde, 2011 sogar Queen Elizabeth II. samt Prinzgemahl. Andererseits interessiert sich Struth für die Beziehung zwischen der Kunst und dem Betrachtenden - etwa in seiner berühmtesten Foto-Serie der ‹Museumsbilder› und in ‹Audience›. ‹Figure Ground› steht denn auch über der grossen Werkschau, die Thomas Weski für das Münchner Haus der Kunst kuratiert hat. Dafür konnte der Kurator dem Künstler Teile des Archivs abluchsen - es bildet nun das Herzstück der Ausstellung. Darin holte er unter anderem frühe Malerei-Versuche von 1970 ans Licht: Gesichtslose Figuren, im Bodenlosen schwebend.
Und schon damals befasste sich Struth mit dem Menschen im Bezug zum Stadtraum, ehe er ihn für die Serie der ‹Unbewussten Orte› verbannte. Er dokumentierte, ganz akribischer Becher-Schüler, menschenleere Strassen im Ruhrgebiet. Dennoch ist er derjenige unter den «Struffskys», der dem Menschen am meisten zugewandt ist, wenn auch mit der Faszination des Zoologen an einer sonderbaren Spezies. Es ist erstaunlich, wie gross der innere Abstand zwischen ihm und den Figuren in seinen Bildern wirkt. Der Fotograf schaut uns, wie in ‹Aquarium Atlanta›, 2013, beim Schauen zu.
Falls er sich seiner eigenen Linse ausliefert, dann nur von hinten: in einer halben Rückenansicht wie im ‹Selbstporträt› von 2000 vor Dürers Selbstbildnis. Die Kamera - und damit der Betrachtende - befindet sich leicht verschoben, aber dicht hinter ihm. Mehr Distanz bei so viel Nähe geht nicht.
Ganz anders verhält es sich mit seinen Natur-Aufnahmen. Als Struth 1993 Bilder für die Krankenzimmer des Lindberg-Spitals in Winterthur schuf, kam er nach intensiver Recherche zu dem Schluss, dass Blumen in Nahaufnahme die beste visuelle Genesungs-Unterstützung seien. Und in der ‹Paradies›-Serie ist er dann mittendrin, etwa in ‹Yakushima› von 1999: Man spürt ein Schwelgen, den sentimentalen Wunsch, einzutauchen in die überwältigende Schönheit der Natur. Hier schauen wir ihm beim Schauen zu.
Nur der kritische Blick mag Struth nicht so recht gelingen: In der Werkgruppe ‹Nature & Politics›, seit 2007, wechselt der Standpunkt zwischen Überwältigung und Ratlosigkeit.

Bis: 17.09.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 9  2017
Ausstellungen Thomas Struth [05.05.17-07.01.18]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Thomas Struth
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1708191454473OG-30
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.