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9.2017




München : After the Fact


von: Roberta, De Righi

  
links: Nancy Spero · Maibaum: Nehme keine Gefangenen II ©ProLitteris; vorne: Hannah Black · Soc or Barb, 2017, Courtesy Lenbachhaus
rechts: Coco Fusco · Ein eigenes Zimmer: Frauen und Macht im Neuen Amerika, Whitney Biennale 2008 ©ProLitteris, Courtesy Alexander Gray Associates/New York. Foto: E. Aparicio


Der Titel dieser Präsentation ist selbst Propaganda: ‹After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert›. Denn die Verdrehung von Tatsachen ist trotz «War on Terror» und Trump kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Wo Herrschaftswille ist, ist Propaganda - und die nackte Wahrheit nicht alternativlos. Die Verbreitung einer opportunen Version in manifestierender Absicht findet seit Jahrtausenden statt.
Im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses sind nun die Werke von 25 Künstler/innen zu sehen, die sich mit den Mechanismen von Propaganda in der Gegenwart auseinandersetzen. Stephanie Weber, Kuratorin der Ausstellung, und Lenbachhaus-Direktor Matthias Mühling betonen, dass sie das Thema in seiner ganzen Komplexität zeigen wollten. Entsprechend überbordend ist der Parcours durch Installationen sowie digitale und analoge Bilder.
Es gibt acht Sektionen, beginnend mit ‹Das Regime der Freiheit›: Hier findet man Hans-Peter Feldmanns Sammlung von Zeitungstitelblättern des 12. September 2001 und hört bei Carlos Motta gebannt zu, wie illusionslos seine Gesprächspartner vor der Kamera über Demokratie sprechen.
In der Sektion ‹Die im Dunkeln sieht man nicht› persifliert die estnische Künstlerin Marge Monko eine Talk-Runde mit Politikern, die über die Lockerung des Arbeitnehmerschutzes reden, mit Schauspielerinnen. Am Ende diskutieren diese über ihre eigene, bittere Arbeitnehmerinnen-Realität. Kapitalismuskritik wird in der Schau zum Grundrauschen.
Und bei ‹Geschlechterklischees› stösst man auf Coco Fusco. Sie zeichnete aufgrund der Erkenntnisse über die Verhörtechniken in Abu Ghraib abstossende Szenen eines ‹Leitfadens für weibliche Verhörende›. Mit Kunst - und Propaganda - hat das eher im weiteren Sinne zu tun. Ebenso Franz Wanners zweifellos beachtenswerte Dokumentation, diesmal zum Thema Drohnen-Entwicklung made in Munich.
Beeindruckend hingegen in Ästhetik und Aussage Nancy Speros letzte Installation von 2008 ‹Maibaum: Nehme keine Gefangenen II›, in der an festlich-fröhlich bunten Bändern abgeschlagene Köpfe baumeln.
Doch die Kapitel-Titel sind mitunter so verschroben, wie die Kunstwerke, die darunter zusammengefasst werden, beliebig wirken. Und als Besucherin fühlt man sich auf dem Weg durch den labyrinthisch gestalteten Schlauch des Kunstbaus immer mehr wie eine Verlorene im Multimedia-Dschungel. Fazit: Spannendes Thema, leider den Faden verloren.

Bis: 17.09.2017



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Ausgabe 9  2017
Ausstellungen After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert [30.05.17-17.09.17]
Institutionen Städt. Galerie Lenbachhaus/Kunstbau [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
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