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9.2017




Pfäffikon : Alles zur Zeit


von: Nicola Schröder

  
links: alles zur zeit - Über den Takt, der unser Leben bestimmt, Ausstellungsansicht Vögele Kultur Zentrum, 2017. Foto: Katharina Wernli
rechts: Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger · Von der grünen Revolution zur Wüste, 2017, Wachsende Kakteen und wachsende Kunstdüngerkristalle


In seiner neusten multimedialen Ausstellung bietet das Vögele Kulturzentrum verschiedene Perspektiven auf unseren Umgang mit der Zeit. An einem transitorisch inszenierten Schauplatz werfen diverse künstlerische Positionen Fragen auf. «Bedeutsame Momente geschehen oft sehr heimlich», hört man beispielsweise in einem Video. Tatsächlich, bedeutsame Momente können in der Art der Novelle «unerhörte» Ereignisse sein, die plötzlich alles auf den Kopf stellen. Manchmal sind die Ereignisse aber auch so unscheinbar und leise, dass wir sie kaum bemerken. Zu welcher der beiden Varianten zählt beispielsweise die legendäre Weigerung von Rosa Parks, sich nicht länger wegen ihrer schwarzen Hautfarbe auf die hinteren Plätze im Bus verweisen zu lassen? Heute gilt dieser Moment aus dem Jahr 1955 als einer der Schlüsselmomente der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Die eigentlich stille Entscheidung von Rosa Parks wurde aber auch medial zu einem grossen Ereignis geformt. Der Lauf der Geschichte wird vorrangig an bedeutsamen Ereignissen festgemacht. Doch welche Momente haben eigentlich das Potenzial, in der Erinnerung haften zu bleiben, und warum? Oder aus einer anderen Perspektive betrachtet - welche Bedeutung werden unsere heutigen Taten im Rückblick erhalten?
Die Zeit äussert sich für uns primär darin, wie wir sie füllen. Auch deshalb beginnt die Ausstellung in einem Wartesaal - einem kargen Raum mit einer Bank und einer Tür, die den weiteren Weg zunächst versperrt. Als einziges Werk ist hier Gianni Mottis ‹Big Crunch Clock› installiert. Die Uhr zählt seit dem Jahr 2000 die Zeit bis zum hypothetischen Ende der Welt zurück. Was machen die Besuchenden, wenn sie zum Warten gezwungen sind, und das mit der ablaufenden Zeit vor Augen? Nichtstun wirkt in unserer Kultur genauso wie Langsamkeit häufig wie eine Provokation. Es gilt, seine Zeit zu nutzen und sinnvoll zu gestalten. Gleichzeitig provoziert man Kritik, wenn man nicht genug Zeit für eine Sache aufbringt, was in der Regel primär am Ergebnis gemessen wird. Effizienz ist hier das Stichwort. Was bringt also beispielsweise ein Musikstück, das von ursprünglich 29 Minuten auf 639 Jahre gestreckt wird, wie das Orgelstück ‹Organ2/ASLSP (As slow as possible)› von John Cage? Die Zeit ist und bleibt relativ, das macht dieser Streifzug durch die Welt der Zeit auf sehr kurzweilige Art deutlich.

Bis: 24.09.2017



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Ausgabe 9  2017
Ausstellungen Alles zur Zeit [21.05.17-24.09.17]
Video Video
Institutionen Vögele Kultur Zentrum [Pfäffikon SZ/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
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