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9.2017




Schaffhausen : Alexandra Meyer


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Alexandra Meyer · Kick, 2017, Videostill
rechts: Alexandra Meyer · Porträts, 2017, 92 Flügelkanülen mit Adabter, Installationsansicht


Die diesjährige Manor Kunstpreisträgerin wird aktuell mit einer von Isabelle Köpfli kuratierten Einzelausstellung im Museum zu Allerheiligen bedacht, welche die Grundlinien ihres Schaffens herausarbeitet: Alltagskomik und Alltagspoesie, die sie mit Humor und Leichtigkeit vermittelt.
Alexandra Meyer (*1984, Winterthur) wuchs in der Nähe von Schaffhausen auf und lebt in Basel und Schaffhausen. Nach dem Vorkurs an der F + F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich studierte sie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel. In ihrer künstlerischen Laufbahn hat sie bereits wichtige Meilensteile erreicht: So gewann sie 2013 den Kiefer Hablitzel Preis (Swiss Art Awards) und erhielt in der Kunsthalle Vebikus Schaffhausen eine Atelierausstellung; 2015 folgte eine Einzelausstellung bei knoerle & baettig contemporary in Winterthur. Mit dem Manor Kunstpreis erhält sie erstmals die Möglichkeit, Museumsräume zu bespielen.
Den Auftakt zu ihrer Solo-Show bildet ein Videoloop im Treppenhaus. Die Arbeit trägt den so vielversprechenden wie irreführenden Titel ‹Kick›, denn eigentlich passiert gar nichts, ausser das vergebliche Bemühen der Künstlerin in Biker-Montur, ihr 125er-Honda-Motorrad zum Laufen zu bringen. Dabei wird unsere Geduld an die Schmerzgrenze geführt, und man beginnt die Umgebung zu studieren: Den Container, die Glasziegelsteine der Hausfassade, den Pflasterboden. Dankbar bemerkt man, wenn sich zur Abwechslung die Haustür öffnet und eine Anwohnerin mit dem Abfallsack vorübergeht. Eine typische Hinterhofsituation. Auch das zweite Videoloop, allerdings weniger lang dauernd, spielt mit der «langen Weile» beim Betrachten einer idyllischen Landschaft, bis plötzlich von rechts her die ratternde Maschine, die zuvor nicht anspringen wollte, mit rosafarbener Rauchfahne durchs Bild flitzt und verschwindet. Meyer operiert mit gedehnter Zeit und Überraschungsmomenten. Besonders eindrücklich ist ihre grossformatige Videoinstallation ‹Breath›: Auf drei grossen Projektionsleinwänden sind vier Mal vier Menschen in bildschirmähnlichem Format zu sehen, die ihren Atem anhalten. Kaum hat man den verdunkelten Raum betreten, beginnen sie geräuschvoll auszuatmen, und eine Person nach der anderen verschwindet von der Bildfläche, bis die komplette Projektion erloschen ist. Beim Einatmen tauchen sie dann nach und nach wieder in Erscheinung. Ein äusserst filigranes Werk besteht aus 92 hängenden Flügelkanülen zur schonenden Blutentnahme. Ihre Etiketten tragen Namen von Personen, die sich im Kunstbetrieb engagieren. Auch in der Installation, in der sie die Rillen einer gebrauchten Seife in Verbindung bringt mit Geschichten von Leuten, die über die Herkunft ihrer Narbe erzählen, beweist Meyer eine ganz eigene Poesie.

Bis: 24.09.2017


Publikation, Verlag für moderne Kunst, Wien, 2017



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Ausgabe 9  2017
Autor/in Lucia Angela Cavegn
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