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Neue Medien
3.2006




Das Ohr am Puls der Kunst: ArtCast Basel


  
artcast, Screenshot


Der gute alte Rundfunk hat ernsthafte Konkurrenz bekommen - und zwar auf seinem angestammten Terrain, nämlich im Audio-Format: Podcasts, die als MP3-Dateien zum Herunterladen im Internet angeboten werden und direkt auf mobile Geräte wie den iPod gespielt werden können. Gegenüber einer reinen Musikauswahl stellt das für viele RadiofreundInnen einen eindeutigen Mehrwert dar; erst recht, da man sich das individuelle Wunschprogramm selbst zusammenstellen kann. Denkbar breit ist schliesslich das Spektrum der angebotenen Inhalte: Es reicht von Musik über Kurzgeschichten und Tagebuch-Träumereien bis hin zu Reise-Tipps und Sportreportagen; Hörbuchverlage sind mittlerweile ebenso eingestiegen wie Nachrichtendienste, Tageszeitungen und Rundfunkanbieter. Professionalität ist gleichwohl nicht nur von den letztgenannten zu erwarten. Manche private Initiative kann sich qualitativ durchaus mit den Angeboten der "Grossen" messen - zumal dann, wenn sie vom Quotendruck bedingte Lücken füllt.

Sucht man nach Audio-Podcasts speziell zur zeitgenössischen Kunst, stellt man allerdings schnell fest, dass die Auswahl bislang nicht eben gross ist. Das gilt selbst für die USA, wo sogar schon traditionelle Ausstellungshäuser die technischen Optionen für sich entdeckt haben, ihre Audio-Guides als Podcasts zum Herunterladen anbieten und das SFMOMA sogar ein ambitioniertes Artcast mit Interviews, Konzerten und Künstlerbeiträgen. Im deutschsprachigen Raum dagegen sieht es jenseits der grossen Sender, die Beiträge aus ihren Kultursendungen bereitstellen, bislang noch eher bescheiden aus.

Oder doch nicht ganz? Tatsächlich kann auch die Schweizer Podcast-Landschaft ein ArtCast vorweisen - und woher sollte es kommen, wenn nicht aus der "Art"-Stadt Basel? Mit der gleichnamigen Kunstmesse hat es allerdings nur so viel zu tun, als zur letzten Ausgabe gleich mehrere spannende Sendungen produziert wurden. Galeristen, KünstlerInnen, Kuratoren und Sammler kamen zu Wort - und die Premiere der Voltashow wurde mit einem eigenen "Soundseeing" gewürdigt. Hinter dem Projekt stecken Barbara Strebel - die in den Neunzigern den Schweizer Knotenpunkt des Kunstnetzwerks "The Thing" mitbegründete - sowie der DRS2-Redaktor Patrik Tschudin.

Sechzehn Themensendungen haben die beiden - Strebel als Interviewerin am Mikrophon, Tschudin als Moderator und Techniker - bislang produziert; darunter nicht nur solche zur bildenden Kunst, sondern etwa auch ein dreiteiliges Interview mit DJ Spooky the Subliminal Kid und, anlässlich des ersten Tweakfests vergangenen Winter in Zürich, ein Gespräch mit dem charismatischen Science Fiction-Autor und Medienarchäologen Bruce Sterling. Über das Online-Archiv des ArtCast-Blogs lassen sich auch versäumte Sendungen noch auf den heimischen Rechner oder den MP3-Spieler laden - und wer das RSS-Feed abonniert, verpasst auch die nächste Sendung nicht. Ganz dem ArtCast-Motto entsprechend: "Was wird, werden wir hören".



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Ausgabe 3  2006
Autor/in Verena Kuni
Link artcast.twoday.net
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