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Besprechung
1/2.2013


Sonja Gasser :  Subtil beherrschen die Objekte von Robert Gober die Räume des Museums für Gegenwartskunst in Basel. Der spielerische Umgang mit vertrauten Gegenständen irritiert, verfremdet auf humorvolle Weise das Alltägliche und sprengt zuweilen die Begrenzungen des Museumsraums.


Basel : Robert Gober


  
Robert Gober · Untitled, 1998-1999, Kunststoffguss, Bienenwachs, Pigmente, Messingguss, Menschenhaar, 27,9 x 47,6 x 33,3 cm, Emanuel-Hoffmann-Stiftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel. Foto: Martin Bühler


Robert Gober (*1954, Wallingford, Connecticut) beherrscht es meisterlich, Gegenstände des täglichen Gebrauchs zum Verwechseln ähnlich nachzubilden. Wie selbstverständlich hängen ein Paar Schlittschuhe an einem Nagel an der Wand. Wenn eine Männerbrust, eingebettet in eine Kiste, vom Abflussloch eines Waschbeckens durchbohrt ist, werden skurril kombinierte Versatzstücke zu einem Gebilde, frei von jeglichem Sinn oder Zweck. Genauso surreal muten aufgeschichtete Mädchenbeine an, die das Brennmaterial für ein doch eher grusliges als gemütliches Kaminfeuer liefern. Die Nische, in der die Flammen züngeln, bricht die Wand im Museum auf. Zwei verbogene Gitterstäbe als Begrenzung deuten an, dass der Mensch für den Preis der unteren Gliedmassen dem Gefängnis entronnen ist.
Etwas Verstörendes haftet allen gezeigten Objekten, Skizzen und Modellen aus der Emanuel-Hoffmann-Stiftung, der Öffentlichen Kunstsammlung Basel und einer Privatsammlung an. Grosszügig gewählte Abstände zwischen den präsentierten Werken begünstigen eine isolierte Betrachtung. Dementsprechend durchzieht eine gewisse Leere sämtliche Ausstellungsräume, findet aber - als bewusst eingesetztes Gestaltungsmittel des Künstlers - in einer wandfüllenden Zeichnung eine Entsprechung. Wenige Striche reichen, um eine Falltür wiederzugeben, die lediglich einen minimalen Bereich in der Papiermitte beansprucht. Die Illusion der Perspektive öffnet die Flächenhaftigkeit des Zeichnungspapiers in eine weitere Dimension, als ob man der weiten Leere des Blattes entrinnen und dahinter Neuland betreten könne.
Kaum jemand dürfte durch die beiden Türöffnungen einer funktionslos in den Ausstellungsraum gestellten Wand hindurchgehen. Das ortsspezifische Werk ‹Split Wall with Drains› von 1994/95 macht eine damals ausgehobene, jahrelang verborgene Bodenöffnung wieder sichtbar. Unter zwei in den Boden eingelassenen Gullys rauscht das Wasser von der einen Seite der freistehenden Wand auf die andere - in Anlehnung an den Bach, der zwischen den beiden Gebäudeteilen des Museum hindurch in den Rhein fliesst. Elementare Architekturbestandteile werden kulissenartig inszeniert, sodass das Museum zur Bühne des ins Absurde geführten Alltäglichen wird und das Publikum zum unfreiwilligen Schauspieler. Gober schafft mit seinen Werken Narrative, die gewitzt und ironisch Scheinrealitäten erzeugen, zu eigenen Interpretationen auffordern und dennoch nie ganz fassbar sind.

Bis: 10.02.2013


mit Katalog



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Robert Gober [06.10.12-10.02.13]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Gegenwart [Basel/Schweiz]
Autor/in Sonja Gasser
Künstler/in Robert Gober
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