Digitale Kunst


Kunstbulletin richtet ab sofort einen speziellen Fokus auf digitale Kunst. Raffael Dörig wird als Jahreskuratorin in jeder Ausgabe in der Rubrik Hinweise das Projekt des Monats vorstellen.
Dieses wird zusammen mit einer Sammlung weiterer Netzkunstwerke auf der Website aufgeschaltet.

Curator's Statement des Jahreskurators Raffael Dörig

Unsere Zeit ist geprägt von digitaler Technologie und Telekommunikation. Kunst, die sich damit beschäftigt, gibt es schon lange. Doch oft wurde sie nur in spezialisierten Zirkeln wahrgenommen. Dies scheint sich nun zu ändern.  Das Schlagwort der letzten Jahre ist «Post-Internet». Niemand mag dieses Label, aber im Kern beschreibt es etwas Wesentliches: Erstens, ganz simpel, dass wir in einer Welt nach der Erfindung des Internets leben – das Netz ist alltäglich geworden. Zweitens verweist der Begriff darauf, dass Kunst, die mit dem Netz zu tun hat, nicht im Netz stattfinden muss, sondern aus dem Alltag mit dem Netz resultiert. So manifestiert sich heute «net-related art» bspw. als skulpturales Objekt. Die Künstlerin Marisa Olson, die den Begriff Ende der Nullerjahre prägte, sprach 2006 von ihrer Kunst als «Ernte eines zwanghaften Surfens und Downloadens». Die Surf Clubs dieser Jahre, kollektive Blogs, in denen Künstler/innen Fundstücke neben eigenen Arbeiten und meist beides gleichzeitig austauschten, läuteten eine neue Phase der Netzkunst ein. Nach den Pionier/innen, die als Künstler/innen an der Konstitution des World Wide Web mitgewirkt hatten, kam jetzt eine Generation, die schon in Jugendjahren im Web surfte und diese Praxis in ihrer Kunst weiterführte. Die neuste Generation wiederum hat den Übergang überhaupt nicht mehr erlebt. Das Netz war für sie schon immer da – ein Netz, das zunehmend von kommerziellen Social-Media-Kanälen geprägt ist und spätestens mit dem NSA-Skandal seine Unschuld verloren hat. Im besten Fall führt die aktuelle Diskussion ums Netz in der zeitgenössischen Kunst zu einem Blick auf relevante Themen einer Zeit, in der wir alle ein digitales Leben führen. Und zu einer Neubewertung der Geschichte von Kunst und Technologie (die in den besagten unglamourösen Spezialistenzirkeln stattfand). Im schlechtesten Fall gibt’s eine Domestizierung nach den Regeln von White-Cube-Tradition und Markt-Hype. Es bleibt spannend, wie Künstler/innen auf die Herausforderungen des digital vernetzten Lebens reagieren. In den kommenden Monaten stelle ich hier in meinen Tipps verschiedenste Praktiken und Generationen vor.

Raffael Dörig leitet das Kunsthaus Langenthal und unterrichtet an der HEAD in Genf. Er war Mitgrürnder von Shift – Festival der elektronischen Kürnste und Kurator bei [plug.in], später Haus für elektronische Künste, raffael.doerig@bluewin.ch


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